reflections

08.06.2008 – Die Ärzte in Bielefeld

Wenn das nicht mal ein Konzert der besonders heißen Sorte war! Wie genau das zu interpretieren ist, folgt jetzt:
Ginnys und mein Tagesziel war ein Platz in der ersten Reihe vor Farin. So standen wir gegen halb neun auf, machten uns fertig und um halb elf saßen wir vor der Seidenstickerhalle. Es waren bereits ca. 25 Fans da und die Gitter waren noch nicht aufgebaut. Irgendwann kam die Security angefahren und fing mit dem Aufbau an, wobei sie uns alle von unseren Plätzen scheuchte. Die Schleusen standen schnell, jedoch waren die Gitter für den Bereich davor noch nicht da. Füße scharrend und nervös standen wir nun da, fünf Meter von den freien acht Schleusen entfernt und durften nicht dort hin. Als die restlichen Gitter geliefert wurden, wurden wir allesamt auf die Grünflächen an der Halle verbannt und jeder Versuch, schon mal in die Nähe der Gitter zu gelangen, wurde von der Security mit lautem Geschimpfe geahndet. Als die Gitter komplett aufgebaut waren, durften wir in die beiden Eingänge zu den Schleusen, aber nicht zu den Schleusen selbst. Wie eingepferchte Schafe im Stall saßen wir in der prallen Sonne und die Beine ausbreiten konnte niemand, da es so eng war. Die Menge der Fans war in der Zwischenzeit um einiges gewachsen. Wir waren doch sehr erleichtert, als wir endlich zu den Schleusen durften und rannten los – glücklicherweise konnte ich eine ganze Schleuse blockieren, sodass der Platz in der ersten Reihe relativ sicher war. Zusammen mit Ginny ließ ich mich nieder und drei Mädels gesellten sich zu uns. Es war nun ca. 12 Uhr, also noch sechseinhalb Stunden bis zum Einlass. Die Sonne stand die ganze Zeit über uns und kaum eine Wolke war zu sehen. Es war einfach mal unmenschlich warm. Die Zeit vertrieben wir uns eigentlich nur mit ein paar Gesprächen und vegetierten dabei vor uns hin. Einmal schob sich eine Wolke vor die Sonne, worauf der erste Applaus des Tages folgte ;-). Allerdings hielt diese Entspannung nur wenige Minuten.

Im Laufe des Nachmittags kamen immer mehr Leute, die ich kenne, spontan fallen mir 20 ein. So war kurzes Hallo-Sagen zwischendurch die einzige Abwechslung, natürlich neben dem Soundcheck von DÄ, die jedoch nur „Langweilig“ spielten. Passte ja. Sehr praktisch war auf jeden Fall der Toilettenwagen, der direkt neben der Halle aufgebaut war. Das lob ich mir mal.
Da ich im Moment ziemlich erkältet bin, hatte ich eine Unmenge an Taschentücherpackungen dabei und konnte immer wieder zu den Mülleimern laufen, um ein bisschen Ordnung zu halten – man hat ja sonst nichts zu tun. Der Einlass war für halb sieben angekündigt, aber bereits gegen sechs Uhr wurden wir in die Halle gelassen. Ich war die erste in der Schleuse, in der wir gewartet hatten, und rannte schneller los als bei allen Bundesjugendspielen, die ich je über mich ergehen ließ.

So war Ginny und mir dann auch der gewünschte Platz sicher. Ja, und dann kam mein „Highlight“ des Abends. Wir standen gerade vielleicht zehn Minuten auf unseren Plätzen, da wurde mir speiübel und ich sah Sternchen. Es wäre mir ja nicht peinlich gewesen, da umzukippen. Aber vor die Bühne kotzen wollte ich dann doch nicht! Also raus aus der ersten Reihe. Ich ging zur Seite und setzte mich erst mal hin, wo ich mich erholte. Schnell ging es mir wieder besser und ich ärgerte mich ziemlich, immerhin war nun die ganze Warterei umsonst gewesen. Ich wanderte durch die Halle und entdeckte zwei Mädels aus meiner Stufe auf den Tribünen. Ich ging zu ihnen und rief von da aus eine gute Freundin an. Sie erklärte mir, wo sie saß und so machte ich mich auf den Weg zu ihr und zwei andere Freundinnen von mir. Auf dem Weg traf ich sogar noch meinen Freund und ein paar Kumpels von mir, ich sag ja, mein halber Bekanntenkreis war da *g*. Die drei gesuchten Freundinnen waren jedoch sehr schnell gefunden. Sie saßen auf der Tribüne direkt bei Rods Seite und der junge Herr neben ihnen rückte sogar auf, sodass ich mich zu ihnen setzen konnte. Da war ich echt erleichtert! Mit den dreien war ich bereits in Dortmund bei DÄ gewesen und so würde das Konzert ja doch noch gut werden.

Wir warten auf „Muff Potter“ und selbst hier, auf unseren Tribünenplätzen, lief der Schweiß. Sauna, Sauna, immer wieder Sauna!
Schließlich kam Farin auf die Bühne und seine Begrüßung war doch sehr passend, irgendwas à la „Ich hoffe, ihr seid nicht alle schon ohnmächtig!“. Da fühlte ich mich ja irgendwie angesprochen ;-). Er sagte „Muff Potter“ an, welche sofort danach auf die Bühne kamen. Die Band war echt eine der besten Vorbands, die ich bis jetzt gesehen habe! Jedenfalls wurden sie für eine Vorband ziemlich gut abgefeiert, was auch daran liegen mag, dass sie nicht gerade unbekannt ist.

Dann, gegen neun, war es soweit: der „Achtung Jazz!“ Vorhang hing und das Intro zu „Himmelblau“ erklang. Der Start zu einem HEIßEN Konzert! Der Song war wie immer ein Ohrenfest, es folgte ein gewohnt gutes „Lied vom Scheitern“ und ein laut bejubeltes „Ein Sommer nur für mich“. Letzteres hörte ich zum ersten Mal live und fand es wirklich klasse. Danach begrüßten die Drei uns und führten das Wort ein, das an diesem Abend wohl am häufigsten gebraucht wurde: Blechdach! Denn eben dieses bedeckt die Seidenstickerhalle und dürfte zu der unmenschlichen Hitze beigetragen haben. Laufend wurde es in die Texte eingebaut und zusätzlich musste es auch in jede Ansage gequetscht werden, egal, wie zusammenhangslos es auch war. Farin meinte, die Leute auf den Tribünen sollten doch noch mehr abgehen. Ich war leicht beleidigt, denn wir gaben hier echt unser bestes! *g* Schnell lenkte Farin jedoch ein, dass wir uns doch besser nicht bewegen sollten, falls der Architekt des Daches auch die Tribünen konstruiert hätte. Um Energie zu sparen, war die folgende Laola eine Schweige-Laola und wie die aussah, kann man sich ja denken: man macht einfach überhaupt nichts. Ich fand ja, es hätte ein kühles Lüftchen gebracht, wenn wir wenigstens die Arme hätten bewegen dürfen, aber dem Diktator Farin widersetzt man sich ja nicht.

Das folgende „Nie wieder Krieg, nie mehr Las Vegas“ begann in einer laaaangsamen Version und gerade, als ich dachte, jetzt spielen sie den Song wieder ruckartig schnell, sprach Farin den Gedanken aus und meinte, gerade das würden sie nicht tun. Irgendwann wurde das Tempo dann aber doch gesteigert ;-). Zwischendurch sagte Bela übrigens immer wieder durch, wie es aktuell im Spiel Deutschlang gegen Polen aussah und natürlich wurden die beiden Tore kräftig bejubelt. Einmal gab es eine Ansage, die eher verhalten entgegengenommen wurde. Bela erwähnte nur einmal das Fußballspiel und ein Jubelsturm brach in der Halle los, woraufhin Farin dann ein bisschen beleidigt war, da war wohl jemand eifersüchtig *g*.
Es ging weiter mit Songs wie „Heulerei“ und „Blumen“ und als „Ein Mann“ kam, flippte ich erst Mal aus: der Song ist live einfach genial! „Vokuhila“ war ebenfalls ein Highlight und der Mittelteil des Songs, der eigentlich etwas härter gespielt wird, war heute mal ganz entspannt. Zwischendurch spielte Farin, der nun auf Rods Seite stand, immer wieder das Sample mit den Schuss Geräuschen, welches eigentlich „Anti Zombie“ einleitet. Den Song selber spielten sie jedoch nicht und so bekamen wir andauernd an den unpassendsten Stellen das Sample zu hören, während Herr U. von einem Ohr zum anderen grinste.

Nach „Breit“ folgte „1/2 Lovesong“, welches Farin ungefähr so ankündigte: „Jetzt folgt ein Lied, bei dem wir euch eigentlich immer bitten, eure Feuerzeuge rauszuholen.. aber heute.... WEHE!“ So blieb es sternenhimmelfrei in der überhitzten Seidenstickerhalle, aber die Lichtshow bei dem Song ist auch schon romantisch genug. Farin und Rod tauschten wieder die Seite, wobei sie sich ausschließlich mit Walking-Stöcken fortbewegten, was echt total bescheuert aussah! ;-) Als Bela Rods Ansage übernahm und uns eine äußerst schwierige Rechenaufgabe stellte, war klar, was jetzt folgen würde: „2000 Mädchen“. Aufgrund der Hitze jedoch in einer Schweigeversion. Bela, Farin und Rod hämmerten auf ihre Instrumente ein und sangen angestrengt ins Mikro, wobei sie alles jedoch nur antäuschten und man in Wirklichkeit nicht einen Mucks hörte. Ich hab mich schlappgelacht! Farins Bühnenshow ohne Ton war sogar intensiver als mit, da er jede Bewegung „leicht“ übertrieb. Jedoch kamen wir nach einer Weile doch in den Genuss des Liedes, gefolgt von „Lasse redn“, was man beim besten Willen nicht als Schweigeversion bezeichnen konnte, da das Publikum ziemlich abging. Ich fand allgemein, dass das Publikum gemessen an den Umständen noch echt fit war.
Zwischendurch wurde es immer wieder ruhiger in der Halle, was auch von DÄ angeprangert wurde, aber hey, man muss auch mal ein Minütchen Sauerstoff tanken. Insgesamt war die Stimmung gut!

Das kann man auch von den folgenden Liedern sagen und als „Nie gesagt“ erklang, bin ich erneut ausgeflippt. Niemals hätte ich gedacht, den Song mal live hören zu können. Aber man wird als Fan doch immer wieder überrascht! Ebenso toll fand ich „Las Vegas“, das sofort im Anschluss gespielt wurde. Durchatmen konnten wir ausnahmsweise mal bei „Der Graf“, aber nur kurz, denn „Der Optimist“ verlangte wieder vollen Einsatz. Das war natürlich auch bei „Deine Freundin (wäre mir zu anstrengend)“ der Fall, heute sangen die Frauen „in Bielefeld“ und zeigten dabei auf den Boden. Die Männer antworteten mit „Hu! Hu! Hu!“, wobei sie die Fäuste empor streckten. Das alles natürlich immer nach Farins „Pflegeleicht!“-Ruf. Nach den nächsten Liedern („Punkbabies“, „Ignorama“, „Wie es geht“ & „Rebell“) gingen Bela, Farin und Rod auf ihre Walking-Stöcke gestützt von der Bühne, wirklich sehr athletisch!

Während ich versuchte, irgendwoher Sauerstoff zu bekommen, riefen die Fans nach Zugabe. Die bekamen sie auch und so wurden wir mit „Das ist Rock’n’Roll“ wieder einmal in die 80er entführt, was wirklich Spaß machte. „Perfekt“ folgte und perfekt war auch „Junge“, wobei Farin wieder auf die Hitze anspielte: „Normalerweise sage ich vor dem Lied immer, dass ihr euch nicht weh tun sollt. Heute sage ich, dass ihr nicht ausrutschen sollt!“ So doll haben wir dann doch nicht geschwitzt, wobei es mich nicht überrascht hätte, wenn ein Schweißfilm auf dem Boden gewesen wäre. Allerdings fing Farin bei dem Teil, indem die mittlerweile typische Wall of Death losgeht, anstelle von „Und immer deine Freunde“ mit „Und wie du wieder aussiehst“ an, woraufhin die Prozedur dann wiederholt werden musste. Ich fühlte mich an Dortmund 1 erinnert, wo Farin das gleiche Malheur passiert war. Ich fand es amüsant =).

Der zweite Zugabenblock bestand aus einem lauten „Schunder Song“, einem nostalgischen „Ist das alles?“ und einem sensationellen „Unrockbar“. Es sieht einfach jedes Mal von neuem klasse aus, wenn alle beim Refrain aufspringen. Dieses Mal musste sogar niemand zum Sitzen ermahnt werden, wir ließen uns freiwillig nieder. Farin sprang bei Rods Bassintro zum Moshteil wieder im Takt mit und dann wurde es laut! Wirklich grandios, der Song.

Im letzten Zugabenblock waren unsere Stimmen gefordert, da Bela zufällig den Großteil des Textes von „Manchmal haben Frauen“ entfallen war. Allerdings sang er dieses Mal zur Unterstützung nicht einzelne Zeilen mit, sondern immer nur vereinzelt ein Wort wie zum Beispiel „Bar“, „roch“ oder „wimmern“. Hörte sich ja gar nicht bescheuert an ;-). Als „Wir sind die Besten“ folgte, freute ich mir ein Ohr ab, den Song hatte ich ja schon ganz vergessen! Da war die Begeisterung natürlich umso größer. Zum Schluss gab es noch ein paar Minuten Politik in Form von „Schrei nach Liebe“ und die große Verabschiedung bei „Zu Spät“. Unter lautem Jubeln verließen Bela, Farin und Rod die Bühne und kamen ein letztes Mal wieder, um die Playbackversion von „Vorbei ist vorbei“ zu spielen, sah echt sehr gut aus, als Bela mit einer Handpuppe Schlagzeug spielte und Rod so tat, als würde er seinen Bass ins Publikum werfen! Jaja, so sind sie, die Ärzte. Zum Abschluss gab es sogar noch eine Sitzlaola.

Trotz meiner kleinen Misere am Anfang war das Konzert ein toller Abend gewesen! Ginny, die ich draußen wieder traf und die noch ganz hibbelig war, fuhr mit ihrem Bruder und zwei Kumpels wieder nach Hause (wir wohnen ca. 80 km auseinander), sodass ich ganz alleine durch die Nacht düste und gegen ein Uhr zu Hause ankam. So... jetzt nur diese dumme Erkältung auskurieren und dann weiter nach Braunschweig und Bielefeld 2!


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