reflections

Rock am Ring 2007

Oder auch: „Oh nein! Gestern war der Berg aber noch nicht so steil! Und warum regnet das jetzt? Und warum ist das hier so voll? Was wollen die alle hier? Warum ist das Zelt so klein? Helga?“



Donnerstag, 31. Mai
Heute sollte es losgehen und ich konnte es selber wohl am wenigsten glauben. Noch vor kurzem war es so lange hin gewesen und nun sollten wir schon heute in Richtung Nürburgring aufbrechen. Na ja, umso besser, kann man da ja eigentlich nur sagen. Meine Tasche hatte ich am Abend vorher schon gepackt und ging so am Donnerstagmorgen noch tapfer zur Schule, wo ich eine Doppelstunde Englisch, eine Doppelstunde Reli und eine Doppelstunde Erdkunde überleben musste (ja, auch in der Oberstufe sind die Fächer nicht besonders interessant). Anschließend blieb ich aber gleich an der Schule, da Ginny hier mit dem Bus ankommen würde. Also wartete ich eine knappe Viertelstunde und da kam sie auch schon um die Ecke. In dem Moment, in dem wir uns begrüßten, ging meine Sowi Lehrerin vorbei, was nicht unbedingt so positiv war, da sie so sah, dass ich doch gar nicht so todkrank war, dass ich morgen nicht zur Schule kommen würde (am Freitag hätte ich nämlich Sowi gehabt). Der Weg nach Hause war dann auch gleich eine kleine Herausforderung, da Ginnys Tasche bereits jetzt kaputt war. Eines der Räder, die das Ziehen erleichtern sollten, war abgebrochen und schlackerte nur leicht mit. Na, das konnte ja was werden! Aber noch waren wir ja völlig bei Kräften und so gab es zu Hause kurz Mittagessen, bevor ich den letzten Rest in meine Tasche packte (genau die gleiche wie Ginnys – nur in grau und in heile *g*) und wir von meiner Oma zum Gütersloher Bahnhof gefahren wurden. Dort besorgte ich uns auf den letzten Drücker Tickets am Schalter. Wer konnte auch ahnen, dass es Koblenz nicht am Automaten gab? Okay, das ist vielleicht ein bisschen weit weg und da stehen nur wenige Ziele drauf, aber egal. Aber wir schafften es ja und quetschten uns in den IC, der uns nach Dortmund bringen würde. Dort kamen wir um 15:32 Uhr an und mussten praktischerweise nur wenige Meter bis zum anderen Zug laufen, wobei wir uns nicht sicher waren, ob es der richtige war, da Koblenz schon wieder nicht aufgelistet war. Also fragten wir nach und bekamen bestätigt, dass wir hier einsteigen mussten. Also rein in den IC und versuchen, einen Platz zu bekommen, was jedoch hoffnungslos war. Nach ewigen Rumgesuche ließen wir uns schließlich einfach in einem Durchgang zwischen zwei Abteilen nieder und hofften, dass die Zeit möglichst schnell vergehen würde. Bereits hier entdeckten wir weitere Leute, die anscheinend zum Festival wollten. Einer von ihnen hatte seine Sackkarre in „unserem“ Zwischengang abgestellt und irgendwann hatte ich so einen Durst, dass ich mir einfach ein paar Schlücke aus seiner Wasserflasche klaute, was er Gott sei Dank nicht mitbekam 0=). Jedoch gesellte er sich nur wenige Augenblicke später zu uns und bot uns Bier an *lach*. Ich hatte mir eigentlich gesagt, beim Festival nichts alkoholisches zu trinken, aber noch waren wir ja im Zug und nicht in Nürburg, also nahm ich es an. Hätte ich mir den Wasserklau auch sparen können, aber egal. Es war auf jeden Fall total lustig mit ihm und seinen Kumpels, die sich auch noch zu uns stellten und irgendwann war einer von ihnen der Überzeugung, ich wäre ne aggressive Alkoholikerin, aber wie es dazu kam, muss ich hier ja jetzt nicht erklären. Zu geil^^. Die Gruppe hatte jedoch so bescheuert gebucht, dass sie in Bonn umsteigen musste, während wir einfach auf dem direkten Wege nach Koblenz fuhren. Also waren sie irgendwann weg und wenig später kamen wir schon an unserem Ziel an, genauer gesagt um viertel vor sechs. Das war also Koblenz. Der Teil der Stadt, den wir sahen, war auf jeden Fall schön, aber es war nur ein sehr kleiner. Beim Umsteigen in Dortmund hatte uns ein Kerl angesprochen und mit dem gingen wir jetzt zu den Shuttlebussen, die vielleicht 100 Meter vom Bahnhof entfernt waren. Ich holte uns schnell Karten und erfreulicherweise saßen wir dann auch schon direkt im Bus, der uns zum ca. 50 km entfernten Nürburg fuhr. Das war ja echt mal alles mehr als glatt gelaufen. Im Bus genossen wir es das letzte Mal für ein paar Tage, bequem zu sitzen, aber wir stiegen dann doch gerne wieder aus *g*. Nun standen wir hier am Shuttlebusbahnhof und kamen uns ETWAS verloren vor, denn es war das erste Mal, dass wir bei Rock am Ring waren und wir kannten uns wirklich so gar nicht aus. Zusammen mit dem vorher kennen gelernten Typen (ich weiß nur, dass er aus Braunschweig(?) kam und neben seiner Tasche noch nen Stuhl dabei hatte) holten wir uns Bändchen, woraufhin sich unsere Wege auch trennten. Ginny telefonierte mit Arne, dem Kumpel ihrer ehemaligen Klassenkameraden, der uns einen Platz nahe des Festivalgeländes reserviert hatte. Er meinte, wir sollten zu Eingang B kommen, dort würden wir dann abgeholt werden. Ginny und ich orientierten uns kurz auf dem Plan, den ich am Tag zuvor noch ausgedruckt hatte (ich glaube, ohne den wären wir verloren gewesen^^) und machten uns dann auf den Weg. Beziehungsweise versuchten es, da Ginnys Tasche sich nicht wirklich ziehen ließ. Sie klebte das Rad unzählige Male neu an, aber es wollte einfach nicht halten. Auf dem Weg trafen noch einen Kerl, der in die selbe Richtung musste und zusammen quälten wir uns einen ab. Er hatte es wohl am schwersten, da in seiner Tasche diverse Liter Alkoholika waren, die einiges wogen. Selbst Schuld, Schnapsnase . Ginnys Tasche hielt dann doch noch und es war Gott sei Dank gutes Wetter, sodass wir wenigstens nicht nass wurden. Als wir bei den Zeltplätzen D ankamen, trennten wir uns mal wieder von unserer Begleitung und machten uns auf den Weg zu D2, wo wir nun anstatt Eingang B hinkommen sollten. Er war auch relativ (also echt sehr viel relativ) schnell gefunden, nur wussten wir natürlich nicht, wen wir da ansprechen sollten, da wir unsere Mitzelter noch nie vorher gesehen hatten. Wir wussten nur, dass es fünf Leute waren, einer mit ner Karte und einer mit ner grünen Bierdose in der Hand. Ja, da standen ja welche und die grüne Bierdose wurde den vorbeigehenden Leute unübersehbar unter die Nase gehalten. Das waren dann wohl unsere Nachbarn! Wir waren sofort positiv überrascht und sogar unsere Taschen trugen sie. Bei den Zelten entdeckten wir, dass sie unseres, welches sie vorher von Ginnys ehemaliger Klassenkameradin bekommen hatten, gar nicht aufgehabt hatten, denn „wir hatten keinen Platz mehr dafür“. Aber sie hätten ja genug Zelte aufgebaut und eins wäre sicher noch frei. Also zeigte einer der Kerle, Fabian, auf eins der Zelte mit den Worten „Öhm, das ist noch frei. Nehmt das!“ Ginny und ich guckten uns einen Moment lang verwundert an. Hatte der uns jetzt ein x-beliebiges Zelt zugewiesen? Egal, wir bezogen es einfach und es gefiel uns auch *lach*. Danach setzten wir uns zu den anderen unter das Pavillon, das in der Mitte unserer Zelte aufgebaut war (das waren bestimmt 10 Zelte, die zu unserer Gruppe gehörten) und wurden sofort dazu genötigt „Was bin ich?“ mitzuspielen. Nebenbei bemerkt: die waren alle um die 20 und nicht, so wie es sich wahrscheinlich gerade anhört, 13 . Ginny war auf jeden Fall Stalin und ich war Moses, womit es uns noch gut getroffen hatte. Den Jägermeister-Hirsch hätte ich zum Beispiel nicht erraten. Wir saßen da den ganzen Abend, während ich mir SMS mit Andreas schrieb, der noch immer unterwegs war und mit den Anderen im Stau stand. Da war ich doch froh, nach so vielen Stunden auch mal angekommen zu sein. Richtig in Rock am Ring Stimmung kamen wir aber erst, als es so halb elf war und plötzlich „Faint“ von Linkin Park erklang – und zwar live, da die Band wohl gerade Soundcheck machte. Daraus schlossen wir, dass wir echt ganz nah am Festivalgelände waren und freuten uns gleich noch mehr auf die folgenden Tage. Festivalstimmung kam übrigens auch bei den ganzen „Helga“-Schreien auf, die über die Zeltplätze schallten. Die haben echt alle einen an der Klatsche *lach*. Vor allem, da unsere Mitzelter das die ganze Zeit mit „Regina“ machten. Jaja, Ginny hatte ihren eigenen Fanclub dabei. Gegen Mitternacht gingen wir ins Zelt, da wir einfach nur noch fertig waren und es auch total kalt war, wenn man nicht im Schlafsack lag. Ich hatte mir noch ne Wolldecke mitgenommen, die ich zusätzlich über den Schlafsack legte und konnte doch besser schlafen, als ich gedacht hätte. Ginny und ich waren einfach nur froh, uns nach dem anstrengenden Tag hinzulegen, da konnten die noch so viel „Helga“ brüllen. Oder wahlweise „Regina“.


Freitag, 01. Juni 2007

Wir wachten wohl irgendwann zwischen neun und zehn Uhr auf und versuchten zuerst, irgendwie an Hygiene zu kommen. Ich stand neben dem Vorratszelt der anderen und putzte mir die Zähne mit Trinkwasser, wobei Ginny neben mir stand. Irgendwann hielt ich ihr einfach die Zahnbürste hin, woraufhin wir beide erst total lachen musste und sie sie sich schließlich in den Mund steckte. Das fing ja gut an^^. Aber Freunde teilen ja bekanntlich. Wir aßen was von unseren mitgebrachten Brötchen und Waffeln und gammelten den ganzen Morgen lang im Zelt rum, bis jedoch auch der Besitzer ankam und es dann doch für sich und seine Freundin haben wollte. Also zogen wir aus und nisteten uns im eigentlich Vorratszelt ein, dass für uns ausgeräumt wurde. Es war zwar knalleng, aber immerhin hatten wir einen Schlafplatz. Gegen 12 sollte das Festivalgelände geöffnet werden und kurz danach machten auch wir uns auf den Weg. Wir hatten es wirklich nicht weit bis zum Eingang B und waren auch sehr glücklich darüber. Wir mussten durch einen Tunnel, in dem sich Schleusen befanden, wo wir unser Bändchen vorzeigen und uns kontrollieren lassen mussten. Das haben die Ordner jedoch nicht ordentlich gemacht und so hatte Ginny alle drei Festivaltage ein Taschenmesser mit auf dem Gelände. Bevor wir zu den Bühnen gelangten, ging es einen kleinen Berg hoch und hier bemerkten wir mal wieder, wie festivaluntauglich wir doch waren. Wieso musste man hier bergauf gehen, das war doch viel zu anstrengend^^. Das Ganze hatte natürlich einen ironischen Unterton und wurde zu einem Runninggag von uns beiden und von da an meckerten wir über jede Kleinigkeit, es war einfach nur zu geil. Das erste, was wir sahen, war die Centerstage, auf deren Leinwände das Programm des Tages stand, beginnend mit einer uns unbekannten Band namens Paramore. Wir schauten uns das Gelände rund um die Centerstage an und machten uns dann sozusagen blind auf dem Weg zur Alternastage, wobei ich mir ein Festivalshirt kaufte und wir am Coca Cola Soundwave Club Tent vorbeikamen. Dieses lag genau an einer spitzen Kurve, bei der wir uns fragten, wie man die mit einem Auto/Rennwagen/was auch immer bewältigen sollte, wenn wir schon zu Fuß zu blöd dafür waren ;-). Von da an hieß es jedes Mal „Attention please, Curve!“, wenn wir dort vorbeikamen. Wobei es natürlich auf eine Kurve gewesen sein kann, die nicht zur Rennstrecke an sich gehört. Wer weiß. Bei der Alternastage angekommen holte ich mir was zu essen, wonach wir uns an den Wellenbrecher stellten. Hier sollten die Band mit dem originellen Namen My Baby wants to eat you pussy den Anfang machen und um viertel vor zwei kamen sie auf die Bühne. Ich war relativ überrascht, da die Band echt in Ordnung war. Als nächstes spielten Lez Zeppelin, eine Band nur aus Frauen, die auch okay war, allerdings hat mich das Rumgestöhne von der Sängerin ein bisschen genervt, na ja. Zwischendurch besuchte Andi uns noch und erzählte von dem tollen Zeltplatz, den er und die anderen ergattert hatten. Bei der nächsten Band, The Cribs, gingen wir in die erste Welle, aber nur, damit wir uns am Wellenbrecher anlehnen konnten. Da war vorher schon so ein Typ gewesen, der die ganze Zeit rübergeguckt hat und nun setzte er sich zu mir auf den Boden und stellte sich mir als Phillip vor. Der war nett und hatte coole Schuhe, aber mehr hat mich da auch nicht interessiert^^. Während des Auftritts gingen Ginny und ich dann zur Centerstage. Dort suchten wir uns einen Platz in der ersten Welle, der so war, dass wir uns mit dem Rücken an den Wellenbrecher anlehnen konnten. Das war total super, denn so drückte es gar nicht, da die Leute ja nach vorne drängten und hinter uns die Absperrung war. Wir waren auf der rechten Seite bei der Tribüne und konnten so prima gucken, wer dort so stand und hatten gleichzeitig eine super Sicht auf die Bühne. Außerdem konnten wir uns zwischendurch auf diese Stufen am Wellenbrecher setzen, da meistens nur ein Security da war, außer, wenn neue Leute in die erste Welle gelassen wurden. Der Platz gefiel uns so gut, dass wir auch die nächsten beiden Tage immer hier standen, wenn wir bei der Center waren. Wir warteten auf den Auftritt von The Used, welche um 16:10 Uhr auf die Bühne kamen. Anschließend sahen wir uns The Hives an, deren Sänger gut drauf war, glaube ich. Er quatschte die ganze Zeit etwas von „90.000 The Hives Fans!“ und „You have paid so much money to see us!“ War auf jeden Fall eine gute Show. Billy Talent, die ab 18:50 Uhr spielten, sahen wir uns nicht komplett an, da wir vor Ende des Auftritts zur Alterna gingen. Das hat mich auf nicht gestört, da ich die live einfach nur grottig finde, wie ich beim Konzert in Bielefeld entdeckt hatte. Hier waren sie kein Stück besser und irgendwann haben Ginny und ich angefangen, den Sänger zu parodieren. So hatten wir wenigstens Spaß, der uns die Ohrenschmerzen ein bisschen vergessen ließ =). Auf dem Weg zur Alterna hörten wir die letzten Töne des Auftrittes von Razorlight und als wir ankamen, war die Bühne leer. Wir tingelten uns bis zum ersten Wellenbrecher und während des folgenden Konzertes von Jan Delay & Disco No. 1 konnten wir uns Plätze direkt am Brecher sichern, sodass wir sozusagen in der ersten Reihe standen, nur um eine Einheit zurück versetzt ;-). Jan Delay fand ich am Anfang noch gut, aber irgendwann war’s dann auch nicht mehr so toll. Er hat zwar ein paar Songs gespielt, die mir auch gefallen, aber trotzdem fand ich es nicht so berauschend. Aber dann... dann kamen sie.... um 21:15 Uhr... My Chemical Romance!!!!! Oh mein Gott, es war soooo geil!!! Einer der Gründe, warum ich zum Ring wollte, war diese Band, die ich einfach nur liebe. Sie spielten fast alle meine Lieblingssongs, zum Beispiel „I’m not okay“, „Welcome to the Black Parade“, „Mama“, „Famous last words“ und mein Lieblingslied auf dem aktuellen Album: „House of Wolves“. Danach meinte Sänger Gerard Way nur „I feel like a fucking ballerina“, was ich schon verstehen kann ;-). Er redete überraschend viel mit dem Publikum, ich dachte, das wäre so eine Band, die auf die Bühne kommt, ihre Songs spielt und wieder geht. Aber er forderte uns zum Springen und Singen auf und machte eine längere Ansage vor „Cancer“. Vor dem letzten Song meinte das Mädel hinter mir „Jetzt spielt schon „Helena“, letzte Chance“ und was machten sie? Spielten „Helena“! Damit war der Auftritt zu Ende und ich war auch zufrieden^^. Jedoch durften wir jetzt keine Zeit verlieren, da Linkin Park bereits seit 5 Minuten auf der Centerstage spielten. Wir waren natürlich nicht die einzigen, die da jetzt hin wollten und kamen dafür doch relativ schnell rüber. Angekommen versuchten wir noch irgendwie nach vorne zu kommen und trafen auf dem Weg noch unsere Mitzelter, die sich mit Bier begnügten. Wir gerieten auf unserem weiteren Weg aber so dermaßen ins Gedränge, dass wir uns an der Seite rausquetschten und wieder hintern standen. Schließlich bekamen wir einen Platz, der bei der linken der im Publikum stehenden Leinwände war. Von hier aus konnten wir zwar nicht wirklich auf die Bühne sehen, aber dafür gab es ja eben die Leinwände und die Stimmung war so bombastisch, dass es auch nicht schlimm war. Der Auftritt war meiner Meinung nach gigantisch und besonders die kurze Klavierversion von „Breaking the habit“ war einfach nur toll. Ich könnte beim besten Willen nicht sagen, ob ich Linkin Park oder My Chemical Romance besser fand und das heißt schon was. Nach dem letzten Song wollten wir uns eigentlich noch The White Stripes und Evanescence ansehen, aber wir entschlossen uns, ein bisschen von der Übertragung des White Stripes Auftrittes auf die Leinwände der Centerstage anzugucken. Das hielten wir jedoch nicht lange durch und gingen wieder zurück auf unseren Zeltplatz, wo wir halbtot ins Zelt fielen und schliefen.


Samstag, 02. Juni 2007

Geweckt wurden wir durch einen lauten „REGINA!“-Ruf von unseren Mitzeltern, wofür ich ihnen am liebsten den Hals umgedreht hätte ;-). Morgens ging ich zum Wassercontainer und versuchte mir notgedrungen, die Haare zu waschen. Das gelang mir zumindest ansatzweise und es war schon komisch, wie man den Shampoogeruch doch viel intensiver wahrnahm, weil er bei Rock am Ring doch eher seltener in der Luft liegt *g*. Ich glaube, es war am Samstag, als ich nach dem Haare waschen eine völlig verängstigte Ginny in einem Zelt voller Müll fand, da unsere Mitzelter sie damit ärgerten, dass sie unser Zelt mit leeren Ketchupflaschen und ähnlichem Müll bombadierten. Also, ich fands lustig^^. Die waren echt gut drauf, auch wenn man vielleicht meinen könnte, dass wir uns nicht verstanden hätte, nachdem, was ich hier immer schreibe. Aber ganz im Gegenteil, die waren echt lustig. Wir gingen gegen 14:00 Uhr zum Festivalgelände und aßen dort erst mal Mittag, wobei wir uns ein paar Songs von Bowling for Soup auf der Alternastage ansahen. Als wir fertig waren ging's aber sofort rüber zur Centerstage, wo wir uns auf unserem schönen Plätzchen vom Vortag The Fratellis ansahen. Auf der Tribüne entdeckten wir die Jungs von Sugarplum Fairy, die sich den Auftritt ebenfalls ansahen. Wir waren jedoch wegen der nächsten Band gekommen, 30 Seconds to Mars. Vorher wurde ich noch von so einem Kerl vollgelabert, der mir irgendwann echt total auf den Keks ging, aber ich wusste auch nicht, was ich da sagen sollte, da er ja nett war. Aber nervig. Ich finds schrecklich, wenn man dann so gezwungen Fragen gestellt bekommt, nur um ein Gespräch zu haben, obwohl eine der Personen, in diesem Falle ich, überhaupt kein Interesse an nem Gespräch hat. Als er endlich weg war, fragte ich Ginny, weshalb ich andauernd zugelabert werden würde, aber sie zuckte nur grinsend die Schultern. Danke -.- *g*. Na ja, um 15:25 Uhr betraten 30 Seconds to Mars nach einem komischen Orgel-Intro die Bühne und spielten als zweiten Song gleich „The Battle of One“, was ich mehr als erfreulich fand =D. Bei „The Kill“ kletterte Sänger Jared Leto die Bühne hoch und hatte anscheinend eine gute Aussicht. Als nächste Band traten Wolfmother aus Australien auf und die waren echt gut, zumindest haben sie mir gefallen. Ich kannte zwar nur zwei Songs, aber egal. Auf der Tribüne haben wir Bernd von den Beatsteaks entdeckt, jedoch weiß ich nicht mehr, ob bei dem Auftritt von Wolfmother oder dem anschließenden von den Kaiser Chiefs. Nach denen traten um 19:00 Uhr Mando Diao auf. Während des Konzertes rief mein Vater mich auf dem Handy an, jedoch war es mit Telefonieren im Moment nicht so gut^^. Also hielt ich einfach das Handy zur Bühne und da dürfte ihm auch klar gewesen sein, was gerade los war. Der Auftritt war echt gut und besonders habe ich mich über „Ochrasy“ gefreut, da ich überhaupt nicht abschätzen konnte, ob sie so einen Song live spielen würden, oder nicht. Danach kam sozusagen mein persönlicher Headliner des Tages: die Beatsteaks!!! Die hatten wir 6 Tage zuvor erst in Bielefeld gesehen und somit war es natürlich echt klasse, sie jetzt schon wieder zu sehen. Der Auftritt war genial und wie ich nachher erfuhr, stand Farin Urlaub auf der Bühne und sah ihn sich ebenfalls an. Sonst hätte er auch echt was verpasst ;-). Das Konzert ging ungefähr bis 22:00 Uhr und ab da hatten Ginny und ich eine Pause, da die nächste Band, die wir sehen wollten (Sugarplum Fairy), erst um 00:10 Uhr auftreten würde. Also holten wir uns was zu essen und was zu trinken und setzten uns an den Rand des Weges bei der Alternastage, sodass wir noch den letzten Song von Stone Sour mitbekamen. Die Zeit verging überraschenderweise relativ schnell und gegen halb zwölf gingen wir ins Clubtent, wo zur Zeit noch Charlotte Hatherley spielte. Wir setzten uns auf den Boden, als ein Typ ankam und mir eine Dose Niveacreme hinhielt. Ich schüttelte nur verdutzt den Kopf, woraufhin er sie mir noch deutlicher hinhielt und ich noch deutlicher verneinte. Er grinste und meinte „Ich bleibe jetzt so lange hier, bis du dir was nimmst.“ Ich: „Ja, von mir aus, ich hab Zeit.“ Damit hatte er nicht gerechnet und meinte dann, ich solle angepisst tun und ihn beschimpfen, erst dann würde er weggehen. Ich lachte und streckte ihm meinen Mittelfinger hin und beschimpfte ihn. Daraufhin lachte er auch und meinte, so würde das gehen und dann war er weg. Komischer Vogel! Ganz, ganz komisch...! *g* Kurz vor dem Auftritt von Sugarplum Fairy standen wir auf und suchten uns einen guten Platz vor der Bühne, als sie auch schon auftauchten und ihr Konzert spielten, was echt gut war. Ich hatte auch eine kleine Ablenkung, denn ganz seitlich auf der Bühne (und zwar auf der Seite, auf der wir standen! *freu*) standen ein paar Jungs von Mando Diao und sahen sich den Auftritt ebenfalls an. Ich hab dann abwechselnd mal da und mal da hingeguckt... *lach*. War schon cool, da im Clubtent ja wirklich so eine „kuschelige“ Atmosphäre ist im Gegensatz zu den großen Bühnen draußen und dann standen die da nur wenige Meter von uns entfernt. Nach dem Auftritt von Sugarplum Fairy verabschiedeten wir uns für diese Nacht vom Festivalgelände und gingen auf den Zeltplatz zurück zum Schlafen.


Sonntag, 03. Juni 2007

Am nächsten Morgen gesellten wir uns mal zu unseren Mitzeltern unter das Pavillon, was echt lustig war. Die Zeit verging schnell und um kurz nach zwei gingen wir zum Festivalgelände, wo wir uns Mittag essen kauften. Während ich meine ekligen Nudeln aß und Ginny sich eine trockene Pizza kaufte (Festivalessen ist echt nicht zu empfehlen), spielten gerade Hinder auf der Centerstage und tatsächlich auch noch das einzige Lied, das ich von denen kenne, „Lips of an angel“. Das ist jetzt nicht wirklich mein Lieblingslied, aber es erinnerte mich voll an Steffi, die das sozusagen von ihrem USA Austausch mitgebracht hat und von daher gefiel es mir dann doch. Nach dem Essen gingen wir sofort wieder auf unseren Standartplatz vor der Bühne und verließen diesen nicht für 10 Stunden. So kam es auch, dass wir uns Revolverheld ansahen, die um 14:50 Uhr spielten. Ich mag die irgendwie überhaupt nicht im Gegensatz zu Ginny, aber ich dachte mir auch, jetzt sind wir schon mal hier, da können wir sie uns auch angucken, wenn Ginny sie mag. Es folgten Sunrise Avenue um 15:50 Uhr, die mir sehr sympathisch waren, da sie sich selber auf den Arm nahmen, indem sie sagten, dass sie sowieso niemand mehr in drei Monate kennen würde, wenn „Farytaile gone bad“ nicht mehr im Radio laufen würde. Der Auftritt war aber echt ok und beim folgenden Konzert von Good Charlotte wurde uns folgendes Kompliment gemacht: „You look drunken!“ Danke *g*. Es hieß aber sofort „But no worry, so am I“ und dann war das auch wieder gut ;-). Um 18:10 Uhr traten Velvet Revolver auf und die waren echt schrecklich, zumindest meiner und auch Ginnys Meinung nach. Ich quälte mich an diesem Tag sowieso ein bisschen durch die Bands, da ich außer DÄ keine der auf der Centerstage spielenden Bands so wirklich sehen wollte. Klar, Sunrise Avenue und Good Charlotte fand ich auch okay, aber nicht außergewöhnlich, weswegen sich das alles natürlich ein bisschen in die Länge zog, aber wir wollten ja unsere Plätze sichern. Denn je später es wurde, je schwerer gestaltete es sich für die Fans in die erste Welle zu kommen, da nur begrenzt Leute hereingelassen wurden. Wie die gestunken haben *lol*. Denn die drängelten natürlich und standen da gequetscht vor der Absperrung, das hat schlimmer gestunken als im Zoo *würg*. Da war ich ein weiteres Mal dankbar für unsere Platz, bei dem wir überhaupt kein Gedränge hatten, da es einfach nicht möglich war. Bei Velvet Revolver schrieb ich schließlich mit Mary SMS, rannte dem Eisverkäufer hinterher, der immer im Publikum unterwegs war, erwischte ihn und kaufte ihm ein Eis ab und saß rum und hab so’n bisschen gedöst. Irgendwann verschwanden sie endlich und nun waren Korn an der Reihe. Vorher trieben sich jedoch Bela, Farin und Rod auf einer Art Empore neben der Tribüne rum und machten sich einen Spaß daraus, uns zu Laolas zu animieren und Klatschrhythmen vorzugeben, es war einfach nur sooooo geil =D!!! Da wurde die Vorfreude auf den Auftritt von den Ärzten noch viel größer, als sie eh schon war und ich warn auch wieder hellwach ;-). Rod machte Fotos vom Publikum und war ne ganze Zeit lang da. So kam es dann auch, dass ich sogar den Auftritt von Korn gut fand, da ich die tatsächlich besser fand als Velvet Revolver und nach dem kleinen Entertainmentprogramm von Rod eh saugut drauf war. Der hätte Korn wirklich die Show gestohlen, hätte er während deren Auftritt weiter irgendwelche Sachen vorgemacht. Außerdem wurden bereits jetzt „Wir wollen Die Ärzte sehen“-Rufe laut, obwohl Korn noch nicht mal angefangen hatten zu spielen. Schließlich war es jedoch soweit und wie gesagt fand ich den Auftritt überraschenderweise okay. Der Sänger holte sich zwischendurch immer schön Sauerstoff aus seinem Sauerstofflager auf der Bühne und spielte Dudelsack und war allgemein ganz unterhaltsam, weil er eben so komisch war.

Um 21:45 Uhr war es endlich so weit und Ginny und ich sahen nach einem knappen halben Jahr Die Ärzte wieder. Schick in Anzügen kamen sie auf die Bühne und begannen mit „Nicht allein“. Das Konzert war mehr als gelungen, es war perfekt, denn sie spielten einfach die besten Songs und auch Highlights wie „Erna P.“ und „Anneliese Schmidt“. Schade war nur, dass „Nichts in der Welt“ fehlte, aber alles kann man ja auch nicht haben. Zwischendurch gab es Unterhaltung à la Die Ärzte, was ja eigentlich schon alles sagen dürfte ;-). Lauter Schwachsinn und Laolas, wobei die Sitzlaolas natürlich das beste waren. Ernst wurden sie nur, wenn es um das Thema Nationalsozialismus ging, was ja auch mehr als verständlich ist und somit kamen wir in den Geschmack von „Schrei nach Liebe“. Besonders gefreut hat mich, dass sie „Kopfüber in die Hölle“ UND „Rebell“ gespielt haben, da es sonst immer nur einen der beiden Songs gibt. Genauso gefreut habe ich mich über „Ein Mann“. Irgendwie hab ich mich über alle Songs gefreut, hab ich das Gefühl ;-). Live sind die halt alle super, sogar so ein Schwachsinn wie „Motherfucker 666“. „Mach die Augen zu“ wurde natürlich wieder total unromantisch, da wir einen Traum von Farin verwirklichen sollten und, ich sags mal so, komische Dinge tun mussten. Ey, in Köln war die Romantik dank des Hasenkostüms von Farin Urlaub schon verflogen und jetzt durften wir hier klatschen, springen und „HUH!“ sagen. Irgendwann will ich den Song auch noch mal vernünftig sehen *g*. Genial waren auch Belas und Farins Kostüme bei „Dinge von denen“, als sie als fette Superhelden auf die Bühne kamen und Rod fast vom Hocker geflogen ist vor Lachen. Rod war sowieso ausgesprochen gesprächig, was schon verwunderlich war, da er sich ja sonst immer eher zurückhält, was an diesem Abend so überhaupt nicht der Fall war. Das soll natürlich keine Beschwerde sein, da es echt lustig war^^. Die Ärzte spielten bis kurz vor halb eins und entließen die „Scheiß Tribüne“ und uns „Frischluftfreaks“ dann, was sie jedoch nur taten, da Wir sind Helden nun auf der Alternastage spielen würden und sie ihnen nicht das Publikum klauen wollten. Ginny und ich machten uns auf den Weg zur Alternastage, was ein Spontanentschluss war. Eigentlich dachte ich, dass wir nach 10 Stunden Centerstage keine Lust mehr haben, aber als ich von weitem schon die Helden spielen hörte, legte sich ein Schalter um und ich wollte sofort hin =). Vorher holte ich mir noch was zu essen und dann sahen wir uns Wir sind Helden noch bis zum Ende ihres Auftrittes an. Der letzte Song war „Denkmal“ und das war auch das letzte Lied, das wir bei Rock am Ring gehört haben. Genial. Wir gingen zurück zu unserem Zelt und legten uns erschöpft schlafen.


Montag, 04. Juni 2007

Gegen halb sechs oder so klingelten unsere Handywecker und wir quälten uns aus unseren Schlafsäcken, packten schnell zusammen und machten noch das kleine Zelt sauber. Mit unserem eigenen Zelt (das ja nicht aufgebaut gewesen war), den Reisetaschen, meiner Luftmatratze, meiner Wolldecke, den Schlafsäcken und umgebundenen Bauchtaschen schlichen wir sozusagen die Kilometer bis zu den Shuttlebussen, wobei wir die auch nur durch Nachfragen fanden, da sie nicht da waren, wo wir am Freitag angekommen waren. Verschwitzt kamen wir an und hatten schon keine Lust mehr, als wir die ganze Leute sahen, die da auch in die Busse wollten. Es war anstrengend und so nervenaufreibend, sodass ich es hier nicht noch mal erzählen möchte, aber wir bekamen tatsächlich Plätze im zweiten Bus und gelangten wider Erwarten relativ schnell nach Koblenz (relativ ist ein seeeehr dehnbarer Begriff, nicht wahr?) und zwar genau um die Uhrzeit, um die unser Zug fahren sollte. Ich betete, dass er Verspätung haben würde und so rannten wir mitsamt unseres ganzen Krempels über den Platz vorm Bahnhof in das Gebäude rein und auf der Anzeigetafel stand tatsächlich die erhoffte Verspätung...! Aber noch hatten wir überhaupt keine Tickets. Wir hetzten regelrecht in den Inforaum, in dem es die Tickets gab und da wir GOTT SEI DANK vorgelassen wurden, bekamen wir unsere Karten und rannten wie so zwei Verfolgte in einem Kinofilm durch den Bahnhof auf den Bahnsteig, wo wir tatsächlich pünktlich ankamen. Im Zug fanden wir natürlich keinen Platz und schleppten uns ewig durch die Abteile, bis wir uns einfach wieder in einem Zwischenabteil niederließen. Hier konnten wir uns immerhin unterhalten, ohne jemanden zu stören. Ginny sah total fertig aus und ich war es ebenfalls, da wir weder was gegessen noch was getrunken hatten. Dafür war gar keine Zeit gewesen. Also bot ich an, in dem Bordbistro, das Gott sei Dank geöffnet hatte, zwei Flaschen Wasser zu holen und tat dies dann auch. Wieder zurück bei unserem kleinen „Lager“ frühstückten wir uns irgendwie ging es uns saugut. Wir hatten megageile Tage hinter uns und irgendwie hatte tatsächlich ALLES so geklappt, wie wir es gewollt hatten. Irgendwann stieg ein Kerl zu und stellte sich zu uns. Das hat ja schon genervt, noch nerviger war, dass er trotz Rauchverbot rauchte und NOCH NERVIGER war, dass er mich volllaberte und mir seine halbe Lebensgeschichte erzählte, zum Beispiel, wie er früher mal in Bielefeld gewesen war. Irgendwas mache ich falsch, ich hab schon einsilbig und genervt geantwortet, aber er ließ mich trotzdem erst in Ruhe, als er aussteigen musste. In Dortmund mussten auch wir umsteigen und wegen der Verspätung wäre mein Anschlusszug eigentlich weggewesen, aber da er gewartet hatte, kam ich tatsächlich ohne Probleme nach Hause, während Ginny in Dortmund noch einen längeren Aufenthalt hatte und sich somit und die Verspätung keine Sorgen machen musste.

In Gütersloh angekommen musste ich erst noch eine halbe Stunde warten, bevor ich abgeholt wurde und sah wahrscheinlich aus wie eine Pennerin, als ich da vor dem Bahnhofsgebäude saß, mit meinem ganzen Krempel und nicht wirklich erholt oder geschweige denn sauber aussah^^. Zu Hause packte ich schnell meine Sachen aus und duschte. Um halb zwei hab ich ins Bett gelegt und bis zum nächsten Morgen um halb sieben durchgeschlafen, als ich schon wieder auf eine Erdkundeexkursion musste, bei der ich fast wieder eingeschlafen wäre.

Rock am Ring hat sich definitiv gelohnt, auch, wenn es mit Eintritt, Zugfahrt, Festivalshirt und Verpflegung sauteuer war. Bei den Bands gebe ich doch gerne mal mein gesamtes Geld aus ;-)... Es war einfach nur super!


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