reflections

31.12.2006/01.01.2007 – Die Ärzte in Köln... auch bekannt als „ÄRZTE STATT BÖLLER“

Vorneweg gesagt: es muss immer Leute geben, die hinten stehen. Sonst wäre ja hinten alles leer. Und das würde dann ja total bescheuert aussehen. Die Leute hinten haben’s schwer, weil ihre Sicht nicht soooo berauschend ist. Und bei diesem Konzert haben Ginny und ich die sehr ehrenvolle Rolle der Hinten-Steher übernommen. Wir waren total selbstlos und haben dafür gesorgt, dass es im Stadion auch gut aussah.
Wir ließen es gemütlich angehen und standen gegen 10 Uhr auf. Unser Zug fuhr um 13:09 Uhr, also hatten wir vorher noch genug Zeit, um uns fertig zu machen, was zu essen und uns auf den Abend zu freuen. Schon zu Hause telefonierte ich mit Bücker, der mit Jens bereits in Köln waren. Die beiden waren früher da als wir, also bekamen sie auch Bändchen für den ersten Wellenbrecher. Diese Egoisten! Wären alle Leute so wie sie, dann wäre hinten alles leer und das Stadion würde total – aber das hatten wir ja schon *g*. Um kurz nach halb eins fuhren wir los und als wir die Treppe zu unserem Gleis hochgingen, sichteten wir bereits die ersten Fans, die mit reichlich Bier ebenfalls auf den Zug warteten, der uns nach Hamm bringen würde, von wo aus es galt, den Anschlusszug nach Köln zu bekommen. Pünktlich war der Zug da und innen wurde bereits fröhlich gefeiert und da Ginny und ich in einem Durchgang saßen, gingen alle drei Minuten irgendwelche Leute mit DÄ Shirts an uns vorbei und grinsten uns an. War es so offensichtlich, dass wir ebenfalls Silvester mit der besten Band der Welt feiern wollten? Uns war es Recht. Zudem fiel uns auf, dass es irgendwie nur Männer waren, die da an uns vorbeiliefen. Das sollte sich jedoch noch ändern. Nach einer kurzen Zeit kamen wir in Hamm an und hier war es echt proppevoll, von überall her drang schon eine Mischung aus „Geräusch“ und „Planet Punk“ an unsere Ohren. Es war echt zu geil. Aber im Zug nach Köln sollten wir noch etwas Ruhe bekommen, denn hier setzten wir uns einfach nach oben, wo wir auch noch ganz gute Plätze bekamen. Die Luft war zwar grauenvoll, aber immerhin konnten wir vernünftig sitzen. Wir vertrieben uns die Zeit, indem wir Musik hörten und zwischendurch telefonierte ich noch mit den beiden „Kontaktleuten“ am Stadion. Die Fahrt zog sich unerträglich in die Länge und nach einer Zeit hatten wir beide keine Lust mehr, Musik zu hören, also schwiegen wir ehrfürchtig vor dem Kommendem und hörten den Gesprächen der anderen Zuggäste zu. Endlich kamen wir in Köln-Deutz an, von wo aus wir aber irgendwie keinen Anschluss zum Stadion fanden. Also gingen wir zur Information, wo schon zwei andere Kerle vor uns standen. Sie hatten die selbe Frage wie wir, also war das Problem gelöst und wir gingen zur U-Bahn Station. Mit der Linie 1 sollte es zum RheinEnergieStadion gehen. Natürlich war die Station ziemlich überfüllt und in die U-Bahn kamen wir nur mit reichlich Gequetsche und Gedrängel. An einen Sitzplatz war natürlich nicht mal zu denken, aber wir standen so, dass wir uns an der Stange vor den Sitzen festhalten konnten. Das Beste war, dass bei der nächsten Station noch mal so viele Ärzte Fans standen und die auch alle in die Bahn wollten. Dass sie alle noch reingekommen sind, bezweifle ich jetzt mal stark. Hinter uns standen nun auf jeden Fall zwei Kerle und ich muss zugeben, dass einer von ihnen doch sehr hübsch war . Sein Kumpel sprach uns an und erzählte vom langen Anreiseweg. Wie wir bereits vorher wegen des Dialektes vermutet hatten, kamen sie mit ihrem Gefolge (die hatten noch ne Menge anderer Leute dabei) aus Oberbayern, direkt von der Grenze zu Österreich. Liebe Ärzte, das nehmen eure Fans für euch auf sich! Die Fahrt ging irgendwie immer weiter und war länger, als wir gedacht hatten. Aber wir kamen doch tatsächlich am Stadion an, wo wir noch einmal über die Bahnschienen gehen mussten. Ich weiß auch nicht, wie es kam, aber irgendwie achtete niemand darauf, ob überhaupt frei war und so rief der hübsche Kerl beim Rübergehen „Ja, lassen wir uns von der S-Bahn überfahren!“ Ich sah nach rechts, schrie einmal auf und sprang aus der Fahrbahn. Wir hatten uns so erschrocken, dass wir erst mal lachen mussten. Glück gehabt ! Ab dann waren keine gefährlichen Bahnlinien mehr im Weg und wir gelangten heile auf das Stadiongelände, was echt ziemlich beeindruckend war. Sah echt gigantisch aus, mit den großen Leuchten zu jeder Ecke des Stadions. Es war nun ungefähr halb fünf, also sollte in einer halben Stunde Einlass sein. Die Schlangen bei jedem Einlass waren natürlich schon total lang. Ich holte mir schnell etwas zu essen und dann stellten wir uns einfach irgendwo so an die Schlange, dass wir relativ weit vorne waren und hunderte Menschen hinter uns standen. Wir hatten keine Lust, uns ganz hinten anzustellen und dann ewig zu warten *fg*. Es war ja im Endeffekt eh egal, weil wir uns im Stadion freiwillig nach hinten stellten. Es ging zügig voran und wir wurden während des Wartens auch gut von den anderen Fans unterhalten. Ein Kerl neben uns meinte die ganze Zeit etwas von wegen „Gleich sind wir da, das dauert bestimmt nicht mehr lange!“ Ich sah ihn zweifelnd und grinsend an, woraufhin er mit „Ey, lach mich nicht aus, nur weil ich Locken habe!“ ankam. Wir sahen uns einen Moment lang kritisch in die Augen und irgendwann musste ich Lachen. Ja sorry, da standen noch unzählige Menschen vor uns, ein bisschen würde es bestimmt noch dauern.
Schließlich waren auch wir an den Schleusen und wurden abgetastet; Ginny durfte sogar die Wunderkerzen behalten, die sie für mich eingesteckt hatte. Nun waren wir jedoch nicht im Stadion, sondern auf einem weiteren Gelände davor, auf dem es eine menge Fressbuden und Merchandisingstände gab. Irgendwann trafen wir uns mit Jens und Bücker an einer Cocktailbar und vertrieben uns die Zeit, indem wir uns unterhielten. Die beiden gingen danach wieder zurück ins Stadion und wir taten es ihnen später nach. Dort lief bereits „Dinner for one“ auf den beiden riesigen Leinwänden auf jeweils einer Seite der Bühne. Ginny und ich guckten, wo wir uns hinstellen könnten und trafen dabei auf ein Mädchen namens Katharina. Mit ihr fragten wir jeden Security (so kam es uns zumindest vor), ob es noch Bändchen für den ersten Wellenbrecher gab. Es stellte sich heraus, dass wir nur Minuten zu spät waren. Wir hatten um Minuten den Bereich direkt vor der Bühne verpasst. Das war hart. Aber einmal war es auch witzig, als wir einen Security anlaberten und er meinte, hier ginge es zum Backstagebereich. Hey, gab’s da auch Bändchen für? Nun ja, wir hatten uns schon vor dem Konzert gesagt, dass wir wahrscheinlich irgendwo hinten stehen würden, dabei sein war, was zählte. Wir trennten uns von Katharina und suchten uns einen Platz. Im Stadion war im hinteren Bereich jeweils links und rechts eine große Säule mit Lichtern und Kameras, welche von einem Metallgitter umgeben war, an das man sich anlehnen konnte. Wir stellten uns vor das Gitter der linken Säule, von wo aus wir beide Leinwände im Blick hatten und sogar Blicke auf die Bühne erhaschen konnten, wenn gerade niemand im Blickfeld auf den Schultern einer anderen Person saß und somit die Sicht versperrte.
Nun hieß es eins: warten! Wir durften uns nicht auf das Geländer setzen, somit mussten wir entweder stehen, knien, oder auf dem Boden sitzen. Im Publikum liefen Verkäufer rum, bei denen es Kölsch und Brezel gab. Ich holte mir irgendwann ein Brezel, aß es jedoch nicht auf, dass es widerlich war. Auf den Leinwänden neben der Bühne konnte man immer wieder die ersten Reihen sehen und Jens und Bücker winkten uns durch die Kamera hindurch zu. Zwischendurch kam immer wieder Martin auf die Bühne, ein Entertainer, der aber nicht besonders unterhaltend war. Außerdem wurde die Bernd das Brot Version von „Dinner for one“ gespielt. Gut war die Ansage vom Brot, die extra für uns war, aber die Sendung an sich war so unlustig, dass ich irgendwann nicht mehr zuhörte. Danach gab es wieder Musik von einem DJ, worauf ein Akkordeonspieler folgte, welcher Ärzte Songs präsentierte, was eigentlich ganz cool war, besonders „Schrei nach Liebe“ konnte man sich echt gut anhören. Nach dem Spieler folgte ein letztes Mal der DJ und um fünf vor neun wurde es dunkel im Stadion. Fanchöre waren zu hören und wir zählten von zehn runter, jedoch passierte bei null natürlich nichts. Doch dann durchschnitt das Intro von „Schrei nach Liebe“ regelrecht die Luft und nach einer Explosion auf der Bühne konnte es losgehen. Natürlich wurde aus vollen Lungen mitgesungen und zum Refrain erschien auf den Leinwänden ein brennendes Hakenkreuz, gefolgt von einem „ARSCHLOCH!“, welches die Fans übernahmen. Ohne Ansage ging es weiter zu „Ein Lied für dich“, in dem es, dem Abend angepasst, „kommst du aus Bielefeld, Köln aus Heilbronn?“ hieß. Die erste Ansage folgte nach dem nächsten Lied, welches „Du willst mich küssen“ war. Die Ärzte begrüßten ihr Publikum, wobei das traditionelle „auuus Berlin“ natürlich nicht fehlen durfte. Farin bemerkte, dass noch nie so viele Leute auf einer Silvesterparty von ihm gewesen wären und Bela meinte, selbst er wäre nicht mal bei einer Silvesterparty von ihm gewesen. Die Drei stellten sich gegenseitig vor und spielten dann „Bravopunks“ und „Hurra“. Das darauffolgende „Außerirdische“ wurde in Rammstein-Manier begonnen, weswegen Ginny und ich den Song ehrlich gesagt erst gar nicht erkannten. Ich hatte schon „Außerirdische“ im Kopf, aber irgendwas passte da doch nicht . Aber zu „Neben uns landete ein UFO im Gras“ wurde der Song dann doch wieder ohrentauglich und auch wir Deppen erkannten ihn. Nun spielten sie „Ignorama“, wofür ich sehr dankbar war, denn das Lied ist einfach nur super. Vor dem nächsten Lied, „Komm zurück“, berichteten die Ärzte von ihrem Vorsatz für das nächste Jahr, welcher aus, ich zitiere, „Nie wieder ficken“ bestand. Bela eröffnete Farin, dass sie am nächsten Tag in Las Vegas heiraten könnten, er hätte die Tickets schon dabei. Nach einigem hin und her sagte Farin, dass das nächste Lied eine gute Gelegenheit wäre, sie gegenseitig näher zu kommen und forderte Bela auf, mit seinem Schlagzeug mal ein bisschen näher zu kommen. Bela nahm es wörtlich und versuchte mit aller Kraft, dass Schlagzeug in Farins Richtung zu stemmen, was aber irgendwie doch nicht funktionieren wollte, aber mir reichlich Lachen aus dem Publikum begleitet wurde. Bei „Komm zurück“ wollte ich eine Wunderkerze entzünden, was auch gelang, jedoch stand schon nach Sekunden ein Security hinter mir und forderte mich auf, sie wegzutun. Hallo? Die Leute auf den Rängen hatten doch auch Wunderkerzen und überall im Innenraum waren ebenfalls welche! Nein, ich stand bei den Securitys und musste sie auf den Boden werfen. Ich hätte sie ihm am liebsten in die Nase gesteckt *grummel*. Also verging „Komm zurück“ ohne meine Wunderkerze, jedoch mit einem Feuerzeug . Nach dem folgenden „Wie am ersten Tag“ passierte dann etwas sehr seltsames: jemand schmiss eine Packung eingeschweißter Salami auf die Bühne, welche von Bela mit höchster Verwunderung aufgehoben wurde. Farin lachte und meinte, dass es ein kritisches Statement wäre und wir Fans wahrscheinlich gegen irgendetwas demonstrieren wollten. Bela bemerkte, auch die Salami hätte einmal gelebt, was Farin mit einem „Es war ein freilaufendes Plastikrind“ kommentierte. Dann spielte er das Intro zu „Deine Schuld“ und das Plastikrind war vergessen *g*. Bei „Yoko Ono“ sollte wir zum Takt des Intros Klatschen und dann folgte ein Highlight: „Mein Teddy“! Als ein Fan in unserer Nähe den Song erkannt hatte, schrie er begeistert auf und jubelte, wobei er den Bierbecher in seiner Hand nicht beachtete und die Hälfte auf dem Boden verschüttete *lach*. Wir haben aber nichts abbekommen. Nun war es Zeit für den berühmt, berüchtigten Seitentausch: Farin schnappte sich den Bass und Rod seine zwölfsaitige Gitarre. Farin beschrieb sie mit folgenden Worten: „Unbemerkt von euch hat Rod (...) sich ein Instrument umgehängt, das komplizierter kaum zu spielen vorzustellen wäre... die zwölfsaitige Gitarre! Vorne, hinten, oben, unten, rechts, links, Norden, Süden, Osten, Westen!“ Sicher, dass Farin da nicht irgendetwas verwechselt hat?? *g* Was Rod spielen würde, war ja spätestens jetzt klar und es folgte auch das, was wir vermuteten: der wunderschöne „1/2 Lovesong“. Rod blieb gleich auf der Seite stehen und spielte anschließend noch „Friedenspanzer“, wovor Farin der Klimakatastrophe ein Liebesgeständnis machte, da am 31.12. in der ersten Reihe Leute mit T-Shirt standen. Nach diesem Song gab es eine kurze Pause, da Bela sich auf der Bühne für „Der Graf“ fertig machte, bei dem er Gitarre spielen wollte. Nach dem langsamen Stück gab es ein schnelleres und zwar die „Déjà-Vu Version“ von „Radio brennt“, welche ich persönlich sehr gelungen und witzig fand *g*. Denn nach „sie spielten gerade dein Lieblingslied“ folgte wieder das der Anfang des Liedes und das Ganze wiederholten sie dann noch ein mal, womit wir den Beginn des Songs dann insgesamt drei Mal gehört haben. Hey, die mussten die Lieder strecken, damit sie nicht schon vor Null Uhr mit der ganzen Setlist, welche aus geplanten 38 Songs bestand, fertig waren! Und auch aus diesem Grund wurden die Ansagen und das Gelabere immer öfter und bald gab es statt Ansagen zwischen den Songs Songs zwischen den Ansagen *lol*. Das folgende „Rettet die Wale“ widmeten sie dem Geburtstagskind des Abends, Markus Karg! Nun hätten die Drei theoretisch wieder auf die freilaufende Plastikkuh zurückkommen können, da sie nun „Blumen“ spielten, worin sie sich allerdings stritten. Schließlich meinte Farin, dann würde er den Song eben selber spielen und stapfte samt Gitarre hinter die Drums. Bela ging zu Farins Platz und trank dessen Tasse, woraufhin er folgendes dichtete:


Ich trink Kamillentee
denn Farin tut mir Leid
Lieber ein Teechen als nen dicken, fetten Bierbecher
Ich trink Kamillentee, Alkohol bringt mir nur Übelkeit


Und dann wusste er selber nicht mehr weiter *g*. Von einem der lustigsten Lieder des Abends ging es weiter zu einem der absolut tollsten und wunderschönsten: „Nichts in der Welt“. Gänsehautfeeling pur, einfach nur unfassbar toll. Und auch einfach nur unfassbar, wie schnell die ihre Gefühle umschalten können, nach diesem Lied ein Stück wie „Omaboy“ zu spielen gehört eigentlich bestraft. Es galt wieder, die Zeit zu strecken und somit spielte Farin das zweite Solo des Liedes gleich doppelt. Er hatte sich übrigens das zweite ausgesucht, weil es das war, das er geübt hatte . Danach befiehl er uns, die Hände hochzunehmen und meinte, dass er irgendwann mal der erfolgreichste Bankräuber aller Zeiten werden würde. So brachte er uns das Klatschen bei, wie er es auf Konzerten zuvor auch getan hatte. Wir konnten es beim nächsten Lied, dem „Schunder-Song“, auch gut anwenden *g*. Danach hielt ich es nicht mehr aus und so holte ich eins der beiden Trinkpäckchen, die wir für den Abend hatten und teilte es mit Ginny. Deswegen haben wir von „Punkbabies“ auch nicht so viel mitbekommen, wobei der Song ja eh unter unserem Niveau ist, nicht wahr, Ginny? *lach* Etwas romantischer war dann schon „Manchmal haben Frauen“, woraufhin sich ein Fan aus dem Publikum einen Song wünschen durfte. Sie wählten einen Jungen namens Tim auf, welcher auf den Schultern eines Mannes (sein Vater?) saß. Tim wünschte sich „Zitroneneis“ und Die Ärzte widmeten es ihm. Der Typ in unserer Nähe, der schon bei „Mein Teddy“ so ausgerastet war, konnte sich wieder nicht beherrschen und verteilte noch ein bisschen Bier um sich herum. Nun ja, nach dem Lied sollte eigentlich „Wie es geht“ folgen, aber die drei bekamen den Anfang einfach nicht auf die Reihe und brachen jedes Mal wieder ab, wenn ihnen etwas eingefallen war, was sie doch sagen könnten. So wurden wir aufgefordert „Halt’s Maul und Spiel!“ zu rufen, wonach der Song dann endlich vernünftig gespielt wurde . Danach folgte das mindestens genauso tolle Lied „Rebell“, aber dann war es Zeit, die Stimmung wieder zu ändern, indem ein Kölsches Lied gespielt wurde: „Müngersdorfer Stadion“ in der „Rockaway Beach“ Version von den Ramones. Das Lied schien kein Ende zu nehmen, denn jedes Mal, wenn wir dachten, es wäre so weit, spielten sie doch noch weiter. So kam es, dass nachher niemand mehr klatschte und Farin uns versichern musste, dass es wirklich zu Ende war.

Es muss nun kurz vor elf gewesen sein, als angekündigt wurde, dass es nun das letzte Lied gäbe, was natürlich niemand ernst nahm, die Drei auf der Bühne eingeschlossen. Also passte „Ist das alles?“ sehr gut, denn die Antwort auf den Song war eindeutig: Nein! Der erste Lied der ersten Zugabe war „Geisterhaus“, eigentlich ein geniales Lied, auf dessen Liveversion ich mich nun seit gut zwei Jahren gefreut hatte. Leider wurde es mir versaut, da zwei Riesen den spontanen Einfall hatten, sich vor mich zu stellen und sich zu unterhalten, sodass ich nicht mal mehr die Leinwände sehen konnte. Ich war so stinksauer und wütend, so kannte ich mich selber gar nicht. Gut, dass ich kein aggressiver Mensch bin und keine Muskelpakete habe! So bat ich einen der beiden mit extrem zusammengebissenen Zähnen und verkrampften Lächeln, ob er ein paar Schritte zur Seite gehen könnte. Er tat es auch, aber den Großteil des Songs hatte ich natürlich schon verpasst. Ich war so sauer, das konnte doch wohl nicht wahr sein! Jedoch war die Ablenkung nicht fern, denn es geschah etwas schreckliches: Der Bela hatte eine Blase an einem Finger der rechten Hand! Nein! Wie kommt denn das! Seinen Worten nach war das die erste Blase, seit sie mit den Proben begonnen hatten und das sollte uns schon zum Nachdenken anregen^^. Auf der Bühne hatten die Drei noch eine zusätzliche Kamera, mit der sie selbst filmen konnten und somit richteten sie die auf Belas Hand. Er selbst streckte seiner Blase mit der anderen Hand den Mittelfinger hin und im Publikum wurde ausreichend Mitleid gespendet. Trotz der wahrscheinlich höllischen Schmerzen (*hust*) bekam Bela es auf die Reihe, „Mysteryland“ zu spielen, wobei ich zu Beginn vor Freude gar nicht begreifen konnte, dass sie es tatsächlich spielten. Danach wurde erzählt, wie sie das nächste Lied mit 16/17 Jahren aufgenommen hatten. Rod’s „Ihr wart schon erwachsen und habt so’n Schrott geschrieben?“ passte da wohl am besten zum nun kommen „Der lustige Astronaut“. Der Song war natürlich super und Farin machte ausführlich das Geräusch eines Raumschiffes nach, wobei er aber nachher meinte, dass das gar nicht ginge, denn im Weltall gäbe es doch überhaupt keinen Ton! Während des Songs wurde zusätzlich ein Ausschnitt von „Mein Freund Michael“ gespielt, bei dem Ginny und ich kräftig mitbrummten und echt lachen mussten, das Lied ist ja so was von doof, aber live war’s super *g*. Und dann, ein nahtloser Übergang in... Gänsehaut.... Freude... „Teenagerliebe“!!! Ob das wohl extra für den Markus war, der das Lied ja abgöttisch liebt? Man weiß es nicht. Ich weiß nur, dass die Leute neben uns gegen Ende des Songs anfingen, sich zu prügeln. Das war alles so bizarr, ich musste einfach grinsen, obwohl das wohl nicht wirklich passte. Wir sagten den Securitys Bescheid und ziemlich schnell war alles wieder in Ordnung, die Fäuste flogen nicht mehr. Die erste Zugabe war beendet. Da wir eh wussten, dass Die Ärzte wiederkommen würden, rief kaum jemand um eine weitere Zugabe, die Pause wurde wahrscheinlich eher für’s Durchatmen genutzt. Schließlich kam Rod alleine mit seinem Klavierchen auf die Bühne und stimmte „Dinge von denen“ an, bei dem wir lautstark den Refrain übernahmen. Bekanntlicherweise kommen Bela und Farin bei dem Lied ja auch immer noch auf die Bühne und mit Schlagzeug und Gitarre einzusteigen, aber heute hatten sie etwas ganz besonderes aus der Trickkiste gegraben, von dem anscheinend sogar Rod nichts gewusst hatte, da er total Lachen musste und ihm das Weiterspielen offensichtlich extrem schwer fiel. Farin war als weißes Häschen mit rosa Ohren und Bela als gelber Hahn verkleidet, das war einfach nur zu geil! Es schien, als wäre jeder im Stadion am Lachen und Farin hüpfte munter zu seinem Mikrofon. Da stand ein Hand hinter den Drums und ein Hase hatte eine Totenkopfgitarre umgehängt, hallo?! Klasse! *lach* Rod konnte kaum noch singen. Er beendete das Lied mit „Vielen Dank an Hase Urlaub und Hahn B.!“ Farin fragte uns, ob er das Kostüm anlassen sollte, wobei die Antwort natürlich klar war, jedoch warf er den Hasenkopf ins Publikum, da er ja nun singen musste. Vorher mümmelte er aber noch einmal ins Mikrofon. Dann begann er mit dem nächsten Lied, wobei er aber nur bis „Mach die Augen zu“ kam, da sofort lautes Lachen von der Bühne erklang. Er versuchte es weiter bis „und küss mich“, aber dann musste er selber abbrechen und kommentierte es mit „Passt irgendwie nicht so richtig!“ Wieder erklang Gelächter aus dem Publikum und von der Bühne, zudem ein „Doch, passt ganz toll!“ von einem der beiden Anderen. Doch dann riss Farin sich zusammen und sang zu einem weiteren der absolut schönsten Songs des Abends. Die letzten Töne zog er unbeschreiblich in die Länge, was dem Ganzen noch die Krone gab, es war einfach nur toll... Die Abmoderation des Liedes kam von Rod mit den Worten „Der wahrscheinlich romantischste Hase der Welt – Farin Urlaub!“, woraufhin Farin uns fragte, wann das letzte Mal ein Kaninchen zu uns „Mach die Augen zu und küss mich“ gesagt hätte, wobei er natürlich so gut es ging auf „Hasisch“ sprach, was sich echt süß anhörte . Und der soll 43 Jahre alt sein, ne, ne, ne! Bela bemerkte, dass Farin ja nun endlich das Kostüm für die morgige Hochzeit hätte, welches dieser lustlos mit „Ich freue mich schon wie verrückt“ kommentierte. Und wie sieht eine Hochzeit ins Las Vegas aus? Laut Bela so: „Wollen Sie, Herr Rammler...“ *g* Von einem Liebeslied ging es zum Anderen, wobei „Mach die Augen zu“ und „Rock Rendezvous“ nicht wirklich vergleichbar sind. Bei diesem Song war es jedoch ziemlich dumm gemacht, dass man auf den Leinwänden jeweils nur ein „ä“ sah und wir, die ja hinten standen, nun nicht auf die Bühne gucken konnten, da uns die Sicht auch durch die anderen Leute bei dem Lied versperrt war. Die Blickrichtung war nicht frei, weil irgendwelche Mädels bei ihren Freunden auf den Schultern saßen. Na ja, wir haben es überlegt und es mittlerweile begann es, zu regnen, was aber irgendwie auch niemanden störte. Ehrlich gesagt sah es sogar ziemlich geil aus, wenn das Licht zwischendurch so in die Menge schien, dass man jeden einzelnen Regentropfen sehen konnte. Die Ärzte gingen nach dem Song ein letztes Mal vor der Jahreswende von der Bühne und eröffneten die dritte Zugabe mit dem Lied, auf das wir schon den ganzen Abend warteten: „Unrockbar“! Laut Farin kam nun auch mal Stadionatmosphäre auf . Und ob, da kann ich nur zustimmen. Die Stimmung wurde beibehalten, indem sie „Westerland“ spielten. Danach waren es noch 4 Minuten und 20 Sekunden, also Zeit für „Zu spät“! In dem Song sang Farin plötzlich „Eines Tages werd’ ich mich rächen, ich werd’ die Herzen aller Mädchen brechen, Bela, ich muss dir jetzt leider deinen Witz versaun’, denn ich fang an, mit dem Countdown!“ Und dann waren es noch fünf Sekunden und gemeinsam mit Farin zählten wir runter. Es war null Uhr, ein Feuerwerk bekann und Ginny und ich fielen uns in die Arme und wünschten uns ein frohes neues Jahr. Es war einfach nur toll und das Feuerwerk war echt gut. Zwar nichts außergewöhnliches, aber dennoch wirklich sehenswert! Nun war es Zeit für ein Geschenk, zumindest laut den Ärzten und somit verkündigten sie, dass es im Herbst eine neue Ärzte Platte geben würde. Vorher verkündete Farin noch „Mit euch feier’ ich am liebsten“, zudem fragte er sich „Hieß es nicht ‚STATT Böller’?“ Er konnte seine Klappe natürlich nicht halten und fuhr fort mit „Da geht sie hin, unsere Ozonschicht... und wer hat’s bezahlt? IHR!!“ Ey, das war mal wieder so typisch!!! Als das Feuerwerk zu Ende war, wurde „Zu Spät“ noch zu Ende gebracht. Das erste vollständige Lied der Ärzte war das textlich sehr ausgereifte „Dauerwelle vs. Minipli“, das Ginny und ich wie die anderen Songs, natürlich auch mitsangen . Was ein Spaß!^^ Nun wussten wir natürlich nicht mehr, ob es noch weitere Lieder geben würde, denn der Jahreswechsel hatte ja bereits stattgefunden. Farin meinte schon „Kommt gut nach Hause und lasst euch nicht anquatschen“, was mich irgendwie an meine Mutter erinnerte. Na ja. Wir konnten die Drei noch überreden und bekamen „Elke“ zu hören! Hier hatte Bela sich, wie schon vorher am Abend einmal geschehen, verschätzt und kam nicht schnell genug zu seinem Schlagzeug, um in den Refrain einzusteigen, also musste Farin das Lied wieder strecken *g*.

Danach verbeugten die Ärzte sich vor uns und Bela meinte, ob es kein Ohmen wäre, das Konzert mit dem schlimmsten Trümmersong der Welt zu beenden. Also, ich find den Song gar nicht so schlimm . Im Publikum wurde bereits nach Zugabe gerufen und Bela haute Sprüche wie „Da gehen sie zum Schafott – BelaFarinRod“ und „Je älter, desto besser – Die Ärzte“ raus. Besagte Band ging von der Bühne und kam leider nicht wieder; das Konzert war nach ca. 3 ¼ Stunden beendet. Auf den Leinwänden stand nun „Baut keinen Scheiß“, was denken die eigentlich von uns? *g*

Ginny und ich blieben noch eine Weile im Stadion. Ich schrieb ein paar SMS zu den lieben Verwandten und Freunden daheim, dann verließen auch wir den Ort des Geschehens. Wir trafen uns draußen wieder mit Jens und Bücker und gingen mit den beiden zur Straßenbahnstation am Stadion. Natürlich war sie total überfüllt und es fuhren mehrere Bahnen direkt vor unserer Nase weg, da wir einfach nicht reinpassten. Die nächste Bahn würden wir bekommen, allerdings kam die nicht wie die anderen schon nach einer Minute, sodass wir ein bisschen länger warten mussten. Dafür hatten wir dann aber auch Glück und konnten uns sogar Sitzplätze unter den Nagel reißen. Gepolsterte Sitzplätze! Sitzen! Das tat gut! Am Neumarkt stiegen wir aus und fuhren von dort aus weiter mit einer anderen Bahn zum Hauptbahnhof. Erst war die eigentliche Bahn, die wir nehmen wollte, ausgefallen, aber dann kam eine andere, die kurzentschlossen auch beim Hbf hielten, sodass wir mit ihr Fahren konnten. Im der Bahn unterhielten wir uns mit einem Pärchen, das zwar den gleichen Musikgeschmack hatte wie wir, aber nicht auf dem Konzert gewesen war. Schon lustig, man kam einfach mit jedem ins Gespräch und so landeten wir bei Billy Talent und The Subways. Vom Hauptbahnhof aus gingen wir in die Altstadt, wo wir allerdings in keine Kneipe mehr konnten, da alle überfüllt waren. Aus einer drang „Westerland“, aber auch hier war es restlos überfüllt. Also kauften wir uns bei einem Kiosk was zu trinken und gingen am Rhein entlang. Schon vorher war uns aufgefallen, dass überall Leute mit Heliumluftballons rumliefen und wir fragten uns, ob man das jetzt so trägt, oder was das sonst sollte. Aber am Rhein war ein kleines Schiff, auf dem offensichtlich eine Silvesterparty stattfand und von dem die Leute mit Luftballons runterkamen. Bücker quatschte einer Frau drei Luftballons ab, also nahm er einen goldenen, Jens einen roten und ich einen weiteren goldenen, den ich mir sozusagen mit Ginny teilte . Die beiden banden sich die Luftballons an ihre Rucksäcke, ich jedoch versuchte, meinen zu öffnen. Schließlich gelang es Jens und so kam es, dass wir um halb drei morgens an Neujahr in Köln auf der Domplatte standen und uns auf Helium unterhielten. Das hatte ich vorher auch noch nie erlebt *g*. Wir gingen wieder zurück zum Bahnhof, wo wir uns um kurz nach halb drei mit Ginnys bester Freundin Claudi treffen wollten. Sie war zuvor in der Kölnarena gewesen und hatte da mit vielen Freunden gefeiert. Wir trafen uns also wieder und sie wurde erst mal Jens und Bücker vorgestellt. Claudi war echt gut drauf und brachte uns die ganze Zeit zum Lachen, obwohl sie kaum Alkohol getrunken hatte *g*. Danke Claudi, uns war deinetwegen nicht langweilig *daumenhoch* . Eigentlich war unser Plan wie folgt: mit der S-Bahn um halb vier nach Düsseldorf, von da aus mit dem Zug nach Hamm und von da aus mit einem Anschlusszug nach Gütersloh. Das hätten wir wohl gerne! Gleis 10, von dem die S-Bahn fuhr, war so überfüllt, dass keine Leute mehr hochgelassen wurden, da die Gefahr bestand, dass die Leute auf die Gleise geschubst werden würden. Also fuhr die S-Bahn um halb vier ohne uns. Und die um viertel vor vier ebenfalls. Das hieß, dass die nächste Möglichkeit, nach Hause zu kommen, folgende war: mit dem Zug direkt nach Hamm und von da aus mit dem Anschlusszug nach Gütersloh. Der Haken an der Sache war, dass dieser Zug erst um 5:51 Uhr fahren würde. Also mussten wir warten. Überall am Bahnhof lagen Ärzte Fans rum, die schliefen und ebenfalls auf ihren Zug warteten. Wir suchten uns eine Ecke und ließen uns dort nieder. Zwischendurch ging es noch zu McDoof oder auf die Toilette, wo wir jedoch jedes Mal lange anstehen mussten, da echt alles überfüllt war. Bei McDoof saßen die Leute an den Tischen und haben geschlafen. Wir warteten an unserem Plätzchen, dass die Zeit vergehen würde und unterhielten uns noch mit anderen Fans. Bei uns stand ein Getränkeautomat und irgendwann kam ein Kerl an und stellte sich fassungslos vor den Automaten. Ich riet ihm, den Automaten mal zu berühren und zu testen, ob es keine Fata Morgana wäre. Er berührte den Automaten und sah mich strahlend und mit offenem Mund an. Echt! Keine Einbildung! *g* Vorher waren Bücker und ich noch mal in Köln unterwegs gewesen und hatten versucht, ein Taxi aufzutreiben, dass uns nach Düsseldorf bringen würde, aber man sollte nicht glauben, dass da noch irgendwo Taxis waren. Auch die Passanten konnten uns nicht weiterhelfen, das Einzige, was wir davon hatten, war, dass wir klitschnass geworden waren, da es wieder geschüttet und gestürmt hatte. Aber Hauptsache war, dass wir am Bahnhof in Ruhe warten konnten und es dort auch warm war. Leute liefen rum und sammelten die Pfandflaschen auf und am Eingang des Bahnhofes wollte ein Sammler dem Anderen seinen Korb wegnehmen, woraufhin sich der Besitzer natürlich gewehrt hatte. Als „Strafe“ bekam er von dem Kerl, dem der Wagen nicht gehörte, mit der Flasche eine übergezogen, sodass er eine Platzwunde an der Stirn hatte, was echt schlimm aussah. Gott sei Dank war uns so etwas nicht passiert, wir blieben alle heile.
Gegen zwanzig nach fünf gingen wir schon mal hoch auf das Gleis, damit wir den Zug auch auf jeden Fall bekommen würden. Claudi sprach einen Punk an und quatschte ihn erst mal völlig zu, aber was soll man auch machen, wenn man Langeweile hat? So wurden wir wenigstens unterhalten . Der Zug kam und wir bekamen sogar Sitzplätze. Jens und Bücker hatten noch immer die beiden Luftballons an ihren Rücksäcken und waren somit unübersehbar. Bis Duisburg schien die Fahrt ewig lang zu sein, aber dann schaffte auch ich es, einzuschlafen und von da an ging alles relativ schnell. Wir stiegen in Hamm um und kamen schließlich todmüde, aber wenigstens noch lebend in Gütersloh an, wo uns Bückers Mutter nach Hause brachte. Ginny und Claudi blieben noch bei mir, bevor wir sie nach Schloss Holte brachten. Sie mussten mit dem Zug um 12:06 Uhr noch zurück nach Höxter. Ich konnte jedoch wieder nach Hause und brauchte erst mal ETWAS Schlaf .



Also, unsere Sicht war zwar nicht so berauschend und deswegen waren die Erwartungen nicht erfüllt worden, besonders getroffen hatte es uns, dass wir um Minuten die Bändchen für den ersten Wellenbrecher verpasst haben, aber es war dennoch ein gelungenes Silvester und das Geld auf jeden Fall wert! Man sieht sich dann nächstes Jahr in Köln wieder ....


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