reflections

09.10.2006 – Billy Talent in Bielefeld



Gegen zwanzig nach vier klingelte es und Röschen war da. Sie half mir bei meinem Problem: sollte ich eine hässliche Bauchtausche, eine Umhängetasche oder einfach gar keine Tasche mitnehmen? Sie bot mir an, meinen Kram in ihrer Tasche zu verstauen, wofür ich ihr sehr dankbar war. Dann ging es rüber zu meinen Großeltern, die uns zu Andreas fahren wollten. Der wohnt zwar nicht so weit weg, sodass wir auch mit dem Fahrrad hätten fahren können, aber egal . Eine Viertelstunde später als verabredet kamen wir bei ihm an und vertrieben uns die Zeit bis zur Fahrt nach Bielefeld mit Gequatsche, in der Zwischenzeit trudelte auch noch sein Kumpel Markus ein, welcher mitkommen wollte. Er brachte dann auch die Karten für ihn und Andi mit, die sie für den doppelten Preis bei eBay ersteigert hatten. Mein Gott, bin ich froh, dass ich dafür keine 52 Euro zahlen musste *g*.

Andreas’ Schwester brachte uns um 18:00 Uhr nach Bielefeld. Dort war ich ziemlich überrascht, wie locker es dort zuging. Normalerweise ist anderthalb Stunden vor dem Einlass immer schon alles voll, aber hier war es nicht so. Direkt an den Einlassgittern waren noch Plätze frei, ich hätte mich locker dahinstellen und in die erste Reihe kommen können. Leider gab es hier Gruppenzwang, denn die anderen wollten nicht so weit nach vorne^^. Es war mir dann im Endeffekt aber egal, wo ich stehen würde, von daher passte das schon. Wir hatten noch Zeit und so gingen wir erst mal im Lidl einkaufen. Natürlich konnten gewisse Leute wieder nicht an den Schokorosinen vorbeigehen, ohne welche zu kaufen . Im Bäcker nebenan gab es dann noch Brötchen. Bevor wir wieder zum Schuppen gingen, waren wir noch bei der Tanke. Auf dem Platz des Ringlokschuppens hatte sich eine lange Schlange gebildet, die aber so angeordnet war, dass wir einfach dran vorbeigehen und uns vorne hinstellen konnten. Um halb acht war Einlass. In der Halle stellten wir uns in die ca. 6. Reihe. Röschen und ich brachten noch unsere Jacken zur Garderobe und dann mussten wir uns irgendwie die Zeit bis zur Vorband „Reuben“ vertreiben. Es wurde allmählich immer voller und schon bald war die Luft grauenhaft und es war ziemlich warm. Der Zigarettenqualm hat zu einer besseren Luft natürlich nicht beigetragen -.- Wir hatten keine Lust mehr zu stehen und setzten uns auf den Boden. Dort blieben wir auch eine ganze Zeit lang und nur einmal ist eine Frau fast über uns drüber geflogen. Die hatte uns wohl übersehen. Mir wurde es jedoch irgendwann zu unbequem, sodass ich mich wieder hinstellte. Ich wollte Röschen auf die Beine helfen, nur hat sie das mit dem Stehen nicht so ganz auf die Reihe bekommen, weil ihr ein Bein eingeschlafen war. So flog sie auf halber Höhe wieder runter und ein Kerl meinte sofort „Jaja, dieser Alkohol!“ Dabei hatte Röschen doch gar nichts getrunken . Markus und ich halfen noch Andi hoch und dann standen wir da. Toll. Aber es geschehen ja bekanntlich Wunder und irgendwann haben dann auch „Reuben“ angefangen zu spielen. Die Musik war echt gut, nur hab ich leider so gar nichts gesehen außer irgendwelchen Köpfen. Das war total bescheuert! Es wurde gepogt und zwar nicht wenig, war wohl ganz lustig, aber auch echt anstrengend. Ich nahm mir vor, dass ich bei Billy Talent einen besseren Platz bekommen musste.

Kurz vor deren Auftritt entschied Röschen sich, an die Seite zu gehen, da es ihr wohl mitten in der Menge zu heftig war. Ich wollte mitgehen, entschied mich aber mitten auf dem Weg wieder anders und drehte wieder um. Jetzt hatte ich nur das Problem, dass ich alleine in der Menge stand, weil ich niemanden mehr wiederfand. Billy Talent kamen auf die Bühne und ich hab sie natürlich nicht sehen können. Das einzige, was ich sah, waren die Lichter, bzw. die Lampen, die an der Decke hingen. Das war echt zu dumm. Ich ging also doch nach außen, hab Röschen aber nicht wieder gefunden. Irgendwie landete ich rechts in der ca. 5. Reihe, wo es jedoch kein bisschen besser war, außer dass ich vielleicht ab und zu einen „Billy Talent Kopf“ gesehen habe. Sie spielten gerade „Devil in a midnight mass“, was allerdings an mir vorbei ging *heul*. Also wieder nach hinten. Bei der Treppe der Tribüne war noch etwas Platz. Ich kletterte seitlich an der Treppe hoch (anders ging es nicht) und sah auf die Bühne. Nun konnte ich sie vernünftig sehen, nur konnte man sich hier natürlich überhaupt nicht bewegen und es war ziemlich anstrengend, sich da an dem Geländer festzukrallen. Also ging ich wieder runter und nach ganz hinten, wo die Leute nur standen und mal mit dem Kopf nickten oder so. Die Halle wurde nach hinten hin etwas erhöht, was mir vorher noch nie aufgefallen war. Ich stand ja auch noch nie so weit hinten. Allerdings konnte man hier über die Leute hinweg auf die Bühne gucken, was schon mal ganz cool war. Als dann „Fallen Leaves“ anfing, hatte ich allerdings keine Lust, hier bei diesen bewegungslosen Leuten stehen zu bleiben, also ging ich etwas weiter nach vorne, muss wohl die 50. Reihe gewesen sein oder so. Selbst hier wurde gepogt! Nach einigem Hin- und Herlaufen landete ich wieder bei der Treppe und ab hier wurde es besser. Ein Vorteil daran, wenn man so klein ist, ist, dass die Leute einen vorlassen. So konnte ich mich an der Seite durchschlängeln und als sie „Surrender“ spielten, konnte ich vernünftig auf die Bühne gucken. Ziemliches Glück, da das eins meiner absoluten Lieblingslieder ist. Es wurde aber sogar noch besser, denn irgendwann stand ich in der dritten Reihe vor Gitarrist Ian, sogar auf diesem kleinen Metallstück, das immer in Publikumsrichtung von der Absperrung ist. Ich hab mich ziemlich darüber gewundert, aber hier was sogar noch ganz gut Platz. Hinter mir war ca. einen halben Meter Freiraum, sodass mir niemand in den Rücken drückte und das war echt grandios! Direkt vor der Bühne und da noch Platz, das war bis jetzt nur bei „Tomte“ so und die beiden Bands kann man ja nicht wirklich vergleichen . Klar, ab und zu war es auch richtig eng, wenn bei einem Lied mal richtig gepogt und die Leute nach vorne gedrückt wurden, aber es ließ sich echt aushalten. Ich blieb für den Rest des Konzertes da vorne stehen. Ich glaube, es war bei „River Below“, als sich Sänger Benjamin so ziemlich genau dort auf den Bühnenrand kniete, wo ich auch stand und es war echt ein netter Anblick . Er und der Schlagzeuger Aaron waren übrigens die meiste Zeit des Konzertes „Oben ohne“ *freu*. Apropos: Aaron hab ich ziemlich lange einfach zugeguckt, wie er da am Spielen war, ich finde, der macht das in einer total coolen Art und Weise, das sieht einfach nur geil aus! Und er war dann auch die ganze Zeit am Grinsen und hat seine Zähne gezeigt *nochmalfreu*.

Bens Ansagen gefielen mir auch. Klar, manchmal waren sie nicht wirklich ernst zu nehmen, aber das war eigentlich ganz lustig. Ziemlich am Anfang meinte er irgendwas von wegen: „The people on the stairs have all to put out their tops, especially the big breastet women.” Vor „The Ex” meinte er, er müsse nun mal etwas klar stellen. Er findet, dass Frauen die beste Spezies in der Welt sind, man muss sie beschützen, Zeit mit ihnen verbringen, sie lieben und sich um sie kümmern. Ach nein, wie süß =). Und das nächste Lied handele von einer bestimmten Frau, er meine das NICHT generell so. Es wäre über SEINE Ex. Ich muss zugeben, dass ich mich noch nicht so mit den Texten des ersten Albums beschäftigt habe, ich glaub, den Text muss ich mich noch mal genauer angucken *g*. Ist der etwa so gemein, oder wie? Es war übrigens der Song „The Ex“. Logischweise.

Zwei Mal sagte er, dass die Leute sich gegenseitig aufheben sollten, wenn einer hinfallen würde. Vor allem die Frauen sollten beschützt werden. Der hatte es aber auch mit uns *lol*.

Irgendwann war es so weit und die vier Musiker verließen die Bühne. In der Zwischenzeit wurden Becher mit kaltem Wasser verteilt, was echt erfrischend war. So ließ es sich da vorne aushalten. Natürlich kamen Billy Talent wieder auf die Bühne und das nun folgende Lied war „Nothing to loose“, woraufhin „Try Honesty“ folgte. Es wurde ziemlich in die Länge gezogen, was aber nicht schlimm war, da der Song ja auch einfach super ist. Zwischendurch gab es noch eine Ansage, in der Benjamin meinte, wir würden hier gerade alle Zeit zusammen verbringen und uns gegenseitig respektieren, indem wir uns aufhalfen, wenn jemand fiel und jeder auf den anderen acht gab. Wenn wir gleich alle aus der Halle gehen würden, solle das bitte so bleiben. Außerdem war es ihr letzter Gig in Deutschland und es würde ihnen echt gefallen. Zwei Reihen vor mir, also direkt an der Absperrung, stand ein Mädel, das eine Deutschlandfahne hochhielt, auf der etwas stand. Was es war, konnte ich aber nicht erkennen. Doch Benjamin sah die Flagge auch und wollte sie gerne haben, also gaben die Securitys die Fahne nach vorne. Der Sänger hielt sie hoch und auf ihr stand ein schlichtes „Thank you“, das hat echt super in diesen Moment hinein gepasst. Außerdem hat ein Kerl neben dem Mädel noch eine große Kanadaflagge hochgehalten. Da konnte ich dann kurzweilig zwar nichts sehen, aber Scheiß drauf *g*. So lange es die Leute auf der Bühne gefreut hat. Leider war das Lied kurz darauf auch zu Ende. Hm, da fehlte doch noch eines... genau da spielten sie es! Ratespiel: die Bühne wurde in rotes Licht getaucht und ein bekanntes Schlagzeugintro erklang. Welcher Song? Richtig! „Red Flag“! Das wäre auch was gewesen, wenn sie das nicht gespielt hätten *lol*. Am Ende war es jedoch so laut, dass ich einfach nur noch Krach hörte. Nun ja, es war eh das letzte Lied, von daher war das nicht besonders schlimm war. Nach „Red Flag“ verließen die vier Musiker die Bühne erneut und endgültig. Aaron warf noch Drumsticks in das Publikum und ich hab leider keinen abbekommen =(. Aber ich glaube, man kann da eh nichts fangen, wenn man keine riesigen Muskelpakete hat, denn ein Roadie warf eine einfache Plastikflasche Wasser direkt zu den Leuten, bei denen ich auch stand und die haben sich vielleicht darum gekloppt, das gibt’s gar nicht. Als hätten wir hier in Deutschland kein Wasser.

Beim Rausgehen sah ich die anderen. Röschen wollte sich was beim Merchandisingstand kaufen und die anderen beiden würden die Jacken von der Garderobe holen. Ich ging auf die Toilette, wo ich mich am Waschbecken mal erfrischte, was auch dringend nötig war .

Vorm Ringlokschuppen standen mehrere Leute und riefen laut, dass sie Poster und T-Shirts verkaufen würden. Natürlich alles original *zwinka*. Die Poster würden 5 Euro kosten, wir holten uns aber keine. Ein paar Meter weiter, auf dem Lidl Parkplatz, standen wieder Leute, die laut für ihre Poster warben, hier kosteten sie allerdings nur 2 Euro! Hey, vielleicht waren sie 100 Meter weiter ja umsonst! Das war aber leider nicht der Fall und deswegen nahmen wir dann welche für 2 Euro mit. Wir mussten noch auf Röschens Vater warten und während wir da so standen, konnten wir verwirrte Leute beobachten *lach*. Zwei Autos fuhren hintereinander her, beide mit Höxter-Kennzeichen. Andere Leute riefen plötzlich „Noch mal!“, womit wir natürlich gar nichts anfangen konnten. Doch plötzlich hielten diese beiden Autos mitten auf der Straße, die Türen schnellten auf und alle Leute rannten raus und in das jeweils andere Auto, die Türen knallten wieder zu und die Autos fuhren weiter. Was haben wir gelacht *g*. Wenig später wurden wir abgeholt, allerdings fuhren wir ganz „normal“ und stiegen nicht plötzlich aus, sodass wir auch alle heile zu Hause ankamen. War ein netter Abend gewesen .


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