reflections

10.03.2006, „Tomte“ in Bielefeld (und „Walking Concert“ auch)

So. Das könnte jetzt kompliziert werden. Einen Bericht über das Konzert einer Band zu schreiben, bei der man weder weiß, wie die Leute überhaupt heißen, noch beim Konzert mitsingen konnte, weil man ja keine Songtexte kennt. Ich versuch einfach mal, hier detailliert zu schildern, wie es dazu kam, wie das Konzert war und was danach passierte.

Das Vorspiel
Ich hatte „Tomte“ im TV gesehen, genauer gesagt ihre Auftritt bei der Kuttner (JA, ich mag/mochte diese Show, wer mich deswegen jetzt hauen will, soll’s tun). Der war ganz ordentlich, hat mich zwar nicht vom Hocker gehauen, aber gefallen hat’s mir. Wenig später lief bei MTV eine Werbung zur „Buchstaben über der Stadt“-Tour und als da stand, dass sie auch nach Bielefeld kommen würden, war ich sofort Feuer & Flamme. Hatte ich doch eh die ganze Zeit so einen Konzert-Durst. Ich erzählte in der Schule davon, allerdings hatte niemand Interesse, dort hin zu gehen. Die kannten die Band ja alle auch nicht wirklich und dafür Geld auszugeben, war irgendwie dumm. Dennoch vergaß ich nicht, dass sie hier hin kommen würden. Am 08.03. fragte ich Cathi, ob sie nicht vielleicht mitwolle. Sie wollte es sich überlegen. Als ich sie abends anrief, sagte sie mir jedoch, dass sie die Band ganz gut findet (hatte am Nachmittag mal in das Album reingehört), deswegen aber nicht sofort auf das Konzert wollte. Ok, konnte ich ja nichts machen, ich war auch überhaupt nicht sauer oder so, da die ganze Sache auch ein BISSCHEN spontan kam. Jedoch hatten Claudia und Maria auch noch vor, mal darüber nachzudenken (anscheinend kann ich sehr überzeugend sein ). Am nächsten Morgen hatten wir die ersten beiden Stunden frei und trafen uns vor der dritten im Fahrschülerraum. Dort hieß es dann, dass sie beide wollten/dürften. Nun mussten wir gucken, wie wir fahren konnten, doch auch das ließ sie regeln. 2 Tage, nachdem ich die Sache mit dem Konzi noch mal auf den Tisch gebracht hatten, befanden wir uns um ca. 5 nach 7 auf dem Weg zum Ringlokschuppen. Den fanden wir natürlich erst mal nicht, weil wir die falsche Abfahrt genommen hatten. So wurde es später und ich machte mir schon Sorgen, ob die Karten an der Abendkasse vielleicht ausverkauft sein würden. Waren sie aber nicht! Angekommen wurde uns erst gesagt, dass wir nicht mit Blitz fotografieren sollten, anschließend blätterten wir die 18 Euro für eine Karte hin. Nun noch schnell Mantel an der Garderobe abgeben und das örtliche Klo inspizieren^^. Als wir endlich in die Halle gingen, war es schon 19:40 Uhr. Auf der Karte stand, dass um 19:00 Uhr bereits Einlass war! Also ein bisschen zu spät. Aber – man glaubt es kaum – der Platz in der 2. Reihe war uns sicher! In der zweiten Reihe! Wo wir erst so spät da waren. Das hat uns SEHR gefallen. Um acht Uhr kam eine Band auf die Bühne...

Der Hauptakt
... bei der wir natürlich nicht wussten: sind das schon Tomte? Die sahen im TV aber anders aus! Es stellte sich heraus, dass es eine Vorband aus New York war. Die waren richtig gut! Und der Schlagzeuger erst...! Der sah göttlich aus, wie Maria und ich feststellten. Ich drehte mich zu ihr, machte Bewegungen, als spielte ich Schlagzeug und reckte die Daumen nach oben. Sie lachte und stimmte mir zu. Selbstredend sind von meinen ca. 10 Fotos der Band 7 von diesem Typ . Der war bestimmt nachher blind, denn wir haben natürlich mit Blitz fotografiert. Das haben alle gemacht, ist doch dumm, ohne Blitz werden die Bilder doch nix. Die Ansagen der Band waren zum Schießen. Ich weiß die Reihenfolge der Ereignisse jetzt nicht mehr, deswegen liste ich sie mal stichpunktartig auf:
- Der Sänger Walter hatte Geburtstag und wir sangen ihm alle ein Ständchen.

- In einer Ansage erklärte der Sänger die Handlung des nun folgenden Lieds: Es ist über jemanden, der in den Zoo geht und in das Gorillagehege geschmissen wird. Er wird aber nicht verstoßen, sondern von der Gorillafamilie angenommen. Er lernt ihre Sprache und bringt ihnen seine Sprache bei. Außerdem ist das Lied über Skateboard fahren. Na klar!

- Nach einem anderen Song fragte er uns, ob es in Deutschland nen guten Strand gibt. Ich rief natürlich „Verler See“, aber wohl zu leise. Nen anderes Mädel schrie „Westerland“ und noch einige Sachen wurden genannt. Walther begründete seine Frage damit, dass er bald noch mal nach Deutschland kommen würde und sich dann gefälligst an nen „fucking beach“ legen wollte.

- Walter regte sich außerdem auf, im Sinne von: „Jetzt ist das hier schon so ein tolles Publikum, ein teuer Club und eine tolle Technik. Und alles scheitert an einem „fucking cable for 10 $!““

- Wir wurden gefragt, ob wir gegen Bush wären, was wir natürlich sehr bejahten (mit lautem Geschrei gegen diesen Idioten). Die fanden das gut, sie würden ihn selbst verabscheuen, aber nicht alle Amerikaner seien doof. Klar, sie sind ja selbst welche.

- Zwischendurch sagte Walther ein paar deutsche Wörter wie „Frühstück“, „schön“ etc. Hat sich ganz toll angehört ;D.

Gut, würde ich jetzt alle Ansagen aufzählen, würde dieser Bericht aus seinen Nähten platzen und wir sind noch nicht mal bei der Hauptband.
Tomte kamen um ca. 21:00 Uhr auf die Bühne und legten gleich los. Die waren richtig, richtig gut! Ich war sehr positiv überrascht!!! Das hat richtig Lunte gemacht, die Stimmung war geil, wir wurden nicht eingequetscht und standen wie zu Beginn in der zweiten Reihe (@Ginny: da werden Erinnerungen wach^^ allerdings blieben wir hier während des gesamten Konzerts in dieser Reihe und gingen nicht freiwillig weiter nach hinten ). Und was der Tomte-Sänger alles gelabert hat. Ich glaub, der war gut drauf. Mal wieder Stichpunkte:
- Wenn es auf der Bühne mal still war, herrschte im Publikum auch Stille. Das kommentierte er damit, dass das doch sehr seltsam war. Vielleicht würden er und seine Band ja Autorität ausstrahlen, aber wir durften doch ruhig reden. Bei „Korn“ sei diese Autorität echt, „bei uns ist die gefaked“.

- Irgendwann bekam er eine „SpongeBob Schwammkopf“-Maske auf die Bühne geworfen. Er setzte sie sich auf und rief „SpongeBob“ und wir alle „Schwammkopf“. So ging das ca. 3-4 Mal hin und her, fand er wohl lustig. Wir auch!!

- Irgendwann meinte er dann, er würde jetzt nicht mehr reden. Es folgten einige Kommentare aus dem Publikum und bevor er das nächste Lied begann, rief ich „Biiiitteeee!“ und er lachte erst mal auf.

- Mr. Sänger erzählte, dass er heute im „Exilia“ ne Runde Schwimmen war. „19 € für ne halbe Stunde schwimmen! Yeah! Das hat sich gelohnt! Für diese 10 Meter Bahn!“ Wir lachten alle und er redete während des gesamten Auftritts noch mehrmals davon. Irgendwann meinte er dann zu dem Kerl links neben ihm an der Gitarre: „19€ für ne halbe Stunde! Kannst du mir mal eins in die Fresse haun? 19 €!“ Ich fand das ja so lustig *ggg*.

- Nach den ersten Liedern kam der Kommentar von ihm: „Mir fällt so eben der erste Satz für ein neues Buch ein: Bielefeld, die Stadt, mit der ich schlafen will.“

- Sehr oft teilte er uns seine Begeisterung mit. Während eines Liedes, im Instrumentalteil, sagte er völlig zusammenhangslos „Ihr seid so viele Menschen“ ins Mikro. Es folgten Kommentare wie „Das ist das BESTE Konzert, dass wir jemals gespielt haben!“ und „Das werd ich meinen Lebtag nicht vergessen!“. Wahrscheinlich hatte die Band vorher noch nicht in einem Club dieser Größe gespielt. Ich finde zwar, dass der Ringlokschuppen nicht wirklich groß ist, aber das ist ja gerade das schöne. Der Kontakt von der Band zum Publikum ist echt super. Das stellte ich bei einem der letzten Lieder fest. Maria, Claudia und ich standen noch immer an diesem super Platz, ich am nächsten zur Mitte. Die Leute feierten und viele hatten die Hände oben, was bei den Leuten um mich herum aber nicht der Fall war. Als der Sänger dann in unsere Richtung guckte, hob ich meinen Arm und machte die Teufelshand. Damit fiel ich natürlich auf (ich hab vorher höchstens nur 2 Leute gesehen, die dieses Zeichen machten), er schaute mir direkt in die Augen, ich lachte und er lachte, das ging um die drei Sekunden so. Und drei Sekunden sind viel, wenn man einer Person in der Zeit ununterbrochen in dien Augen schaut. Das fand ich schön. Der Kontakt war echt super, nicht so ein Mammut Konzert. Als er wieder woanders hinsah, drehte ich mich begeistert zu Mary und Claudia und Maria sah mich total begeistert an und machte die Daumen nach oben. Ich tat es ihr nach und war voll happy!

- Irgendwann rief ein Kerl aus dem Publikum was von „Scheiß Bielefeld“ und der Sänger meinte nur: „Nichts gegen mein Bielefeld. Bielefeld is mein Macker“ und klopfte sich auf die Brust. Yeah .

- Er meinte noch, dass es ihm doch egal sei, Millionen Menschen zu Aggro Berlin gehen zu sehen, da ihm ein Konzert mit Tausend Leuten lieber ist, die dafür wenigstens richtig was auf dem Kasten haben (ich denke, wir waren mehr als Tausend *g*).

- Letztens war er bei dem „Arctic Monkeys“ Konzert in Berlin. Er erzählte, dass dort ungefähr 400 normale Gäste, 200 VIP’s und 400 Engländer waren. Die Engländer hätten die ganze Zeit ihre leeren Bierbecher auf die Bühne geballert und „die Arctic Monkeys haben sich nicht mal mehr gebückt!“. Die waren das wohl gewöhnt. Aber wenn die Monkeys bald mal wieder in England spielen werden, sollen wir dann auch alle dahin gehen und denen das Bier weg saufen. Hotel etc. geht auf Kosten von Tomte. Das merk ich mir!

- Es wurde noch von langweiligen Interviews erzählt. „Ja, ihr macht ja so ernste und tiefgründige Songs und öffnet euch dem Publikum sehr, macht euch das nicht verletzlicher?“ – „*schnarch* Äh, haben sie was gesagt?“

- Wenn einer von uns mal sein Studium abbrechen würde, kommt Mr. Sänger mit zu unseren Eltern und hilft uns, es ihnen zu erklären. Denn Studium ist scheiße! *g*

Mehr fällt mir jetzt nicht ein. Wenn ich mich bald plötzlich noch an irgendwas erinnere, werd ich’s nachtragen.


Das Nachspiel
Das Konzert war zu Ende, die Lichter gingen und man hörte wieder das übliche Hintergrundmusik-Gedudel. Maria meinte, dass wir ja mal zum Merchstand gehen könnten. Jedoch klatschen wir Publikumsleute immer noch und ich bewegte mich nur zögerlich. Als ich mich dann umdrehte, waren die beiden auf einmal weg. Ich ging in Richtung Ausgang und auf einmal hörte ich Jubeln. Die kamen tatsächlich noch mal auf die Bühne! Schnell drehte mich um und drängelte mich nach vorne, ca. 8. Reihe oder so. War immer noch ziemlich nah. Mr. Sänger meinte, dass die ganze Crew sie jetzt hassen würde. Denn die dachten alle schon, es wäre jetzt Feierabend (wahrscheinlich meinte er den Mixer und die ganze Live-Fraktion). Doch Tomte spielten noch ein Lied, ungeplant. Vielleicht würden wir es noch nicht kennen, meine der Sänger. Okay, ich kannte die alle noch nicht, aber egal. Es war eine Art Abschiedslied, hieß irgendwie „Danke für diesen schönen Abend“, oder so. Besonders gefiel mir die Stelle, in der es hieß, die Sonne scheint heute Nacht besonders hell. Das war schön. Nach diesem Lied war aber endgültig Schluss. Ich ging raus und fand Maria und Claudia sofort wieder. Wir müssen irgendwie aneinander vorbei gegangen sein, denn sie waren wieder vorne gewesen und ich hatte mich ja auf den Weg nach draußen gemacht. Egal. Nun ging’s zum Merchandising. Ich wollte mir nen „Tomte“-Button kaufen, aber es gab keine mehr. Dann fragte ich nach Merch von der Vorband und der Verkäufer meinte zu mir, dann müsste ich zu denen hin gehen. Ich hab das natürlich nicht gecheckt, wie, zu der Vorband? Mein Blick wanderte nach rechts und da stand, ca. 3 Meter entfernt, der Bassist von denen. Ich wandte mich an Maria und sagte „Die Vorband bedient selbst...!“. Sie nur „Geil“. Nachdem sie sich ein Tomte Shirt gekauft hatte, gingen wir mit Claudia zum Teil des Standes, hinter dem die Vorband war. Oh Gott, da stand ja tatsächlich dieser sexy Drummer! Gut, die sind noch nicht bekannt, also können die ihren Kram ja selbst verkaufen. Also stellte ich mich an das rechte Ende des Tisches und fummelte in der Tasche rum. Ca. 2 Meter von mir entfernt der Drummer. Ich holte mein Geld raus und meinen Fotoapparat. Ich wollte natürlich von „ihm“ bedient werden und schaute ein bissl hilflos. Sollte ich den jetzt ansprechen? Nee, der sollte mich ansprechen! ^^ Dann kam er zu mir und ich sagte so „One Button“. Er verstand das nicht und ich nur ganz verunsichert „Ein Button?“ hinterher. Wusste ja nicht, ob die auch etwas Deutsch können. Er hatte mich wohl verstanden, denn er fragte mich tooootal nett „From Tomte?“ und ich meinte nur „No, from you!“ Es kam ein groß und breit lächelndes „From me?“ „Yeah!“. *g* Er holte den Button und legte mir noch zwei Aufkleber dazu. Seitdem weiß ich, dass die Band „Walking Concert“ heißt. Der Kerl stand immer noch vor mir, obwohl ich meinen Kram ja schon hatte, als ich fragte: „Could I take a picture of you?“ Er war dann überrascht und fragte nur „From me?“, wobei er wieder so’n charming Smile auf den Lippen hatte. Ich dann wieder „From you!“ Er war natürlich einverstanden und ich machte die Klappe von meinem Knipser weg. „Together?“, fragte ich und er bejahte wieder. Dann lehnte ich mich halb über den Tisch und er auch, er legte seinen linken Arm um meine Schultern und ich machte das Foto. „Thanks very much”, kam es von mir, worauf hin er lächelnd „Thank you very much“ sagte. Ein sehr intellektueller Dialog, muss man ja zugeben! Der war ja mal nett. Ich ging weg zu Maria und Claudia, die natürlich breit grinsten. Ich war noch total durch den Wind und freute mich. Wir gingen zum Getränkestand und teilten uns eine Flasche Alster. Wir teilten sie uns, weil sie 3 € kostete. Anschließend holten wir unsere Jacken wieder und gingen raus. Wir wurden um ca. 10 vor 12 von Thomas abgeholt, vorher knipsten wir aber noch schnell den Tourbus.
Fazit: Wow! Das hätte ich nicht gedacht, dass das so dermaßen geil wird.


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