reflections

12.08.2005 – FURT in Eschwege

Es fing an als sie mich anrief, nein, ich meinte natürlich, es fing an, als sie mir eine Mail schrieb, in der sie sagte, dass sie dieses Jahr total gerne noch mal auf ein FURT-Konzert gehen würde. Sie ist Ginny, wir haben uns über das Internet kennen gelernt und seitdem engen Kontakt. Ich, Nina, sah im Netz nach, ob sich noch eine Möglichkeit für ein Konzert anbiete....

Ein paar Wochen später, am 12.08. setzte ich mich in den Zug, fuhr genau 1 h und 36 Minuten, um danach noch weitere 2 ½ Stunden weiter nach Eschwege zu fahren, wo Ginny und ich das „Open Flair Festival“ besuchen würden, um dort vom großen Meister noch einmal zu Brei gerockt zu werden. Dort angekommen ließen wir unsere Tageskarten entwerten, bekamen jeweils ein schickes grünes Armbändchen und orientierten uns auf dem Festivalgelände. Neugierig gingen wir zur „Sounds for Nature“-Bühne, auf der auch „Farin und ihm sein Racing Team“ auftreten würden; es spielte bereits eine Band namens „Tele“, welche uns jedoch gänzlich unbekannt war. Das erste Foto wurde geknipst, allerdings lief mir ein etwas ... korpulenterer Mann ins Bild, was dann doch eher schlecht war. Egal. Nun waren es noch ca. 5 Stunden bis zu Farins Auftritt und wir mussten uns irgendwie die Zeit vertreiben. Sofort fanden wir etwas, was unsere Aufmerksamkeit erregte: ein Tourbus fuhr ein, wegen der getönten Scheiben konnten wir zwar nicht erkennen, welche Band es war, liefen aber trotzdem mit ein paar weiteren Schaulustigen hinterher. Leider kamen wir nicht besonders weit, denn der Hof, auf dem die Tourbusse parkten, war abgesperrt und so präpariert, dass wir rein gar nichts sehen konnten, es sei denn, wir sahen durch das kleine Loch im schwarzen Sichtschutz. Oder kletterten den Zaun hoch. Ich entschied mich für ersteres und starrte die bereits geparkten Busse an, Ginny stand neugierig hinter mir. Ein paar Momente später öffnete sich die Tür und die Leute fragten, wer ausstiege. Ein Typ, der ebenfalls durch das Guckloch schielte, meinte flach: „Keine Ahnung.“ Es stieg eine Frau aus, ich schätze mal so um die 40 Jahre alt, und meine erste Vermutung war Patty, die Tourmanagerin der Ärzte. Jedoch wusste ich nicht, ob sie den Job auch bei FURT hatte, deswegen sagte ich nichts. Im selben Moment begann es zu schütten und Ginny drängte mich, mit ihr unter einen Schutz zu gehen. Dort gab es Regencapes, die wie Ganzkörperkondome aussahen, aber wirksam waren und uns trocken hielten (na ja, wir wurden zumindest nicht noch nässer). Im Himmel donnerte es ganz leicht, aber nach ein paar Minuten war es wieder etwas besser. Wir suchten die Klos, holten uns danach ein Brezel und stellten uns vor die Hauptbühne, um zu warten. Das Brezel schmeckte fürchterlich, aber irgendwas mussten wir ja essen. Nachher schmissen wir es doch weg. Zu der Zeit waren es noch ca. 90 Minuten zum Juli-Konzert. Wir standen in der zweiten Reihe, von uns aus gesehen ca. 2-3 Meter rechts vom Mikro und sahen den Roadies beim Aufbau zu. Während wir dort rumstanden lernten wir ein Mädel, das neben uns stand, kennen. Sie heißt Sandra, ist 17 Jahre alt war mir ihrer Schwester da, schöne Grüße an dieser Stelle! Wir unterhielten uns und tauschten Erlebnisse in Sachen Fu & Co. aus, es war echt unterhaltsam und besser, als dort einfach nur rumzustehen.

Um 19:00 Uhr kam Juli auf die Bühne. Wir waren nicht wirklich begeistert vom Auftritt, aber es war auf jeden Fall ein guter Zeitvertreib. Die Musik selbst gefiel mir persönlich sehr gut – aber nur die Musik an sich, der Gesang... na ja, ich sag mal.. nee. War nicht so mein Fall. In einer anderen Situation hätte es mir vielleicht besser gefallen, aber ich wollte einfach nur, dass Juli die Bühne wieder verließen und FURT auftreten würden. Immerhin hatten wir was zu Lachen, denn:

Die Sängerin Eva war so schlau, ihr Mikro von der Bühne zu schmeißen... ey, was haben wir gelacht.
Besagte Eva hätte einen Gürtel tragen sollen. Der Anblick ihrer Rückseite gefiel vielleicht den Kerlen, aber uns ekelte es einfach nur an.
Einem der Gitarristen ging der Gitarrengurt flöten, bzw. er löste sich.
Das Schlagzeug wurde zwischendurch immer wieder repariert. Macht man das nicht vor dem Gig?
Der Applaus unsererseits kam nicht wirklich von Herzen, wir klatschten eher aus Mitleid. Lustig war auch noch folgendes: Das männliche Publikum schrie „Ausziehen! Ausziehen!“ (mir reichte Evas Arschritze schon VOLLKOMMEN) , worauf Eva meinte: „Wenn ich es schaffe, dass alle Männer hier ohne Oberteile stehen, dann zieh ich mich vielleicht aus.“ Sofort flog ein Oberteil nach dem anderen auf die Bühne und Eva guckte doch etwas blöd.

Nach einer Stunde und ein paar Minuten war der Auftritt auch wieder zu Ende. Es war nun mittlerweile ca. 20:05 Uhr; Farin sollte um 21:30 Uhr auf die Bühne kommen. Wir standen immer noch in der 2. Reihe und hatten demnach einen sehr guten Blick auf die Bühne, auf der bereits die Crew für FURT aufbaute. Ein echt cooler Anblick war es, als Mattn, Farins Gitarrenroadie, einen Ständer auf die Bühne schob, in der viele von Farins Gitarren standen, die rote, zwei schwarze und die weiße. Da haben wir echt Augen gemacht. Auch Rachels Schlagzeug war ein Hammer gegen das von Juli, der Unterschied hätte nicht größer sein können. Irgendwann lief Mattn noch mal am Bühnenrand lang und ich rief ganz laut seinen Namen. Er merkte auf und lachte. Wild winkend begrüßte ich ihn mit einem lauten „Hi!!“ und lächelnd winkte er zurück, ich musste beim Anblick seines verdutzten Gesichtes total lachen und um mich herum drehten sich die Leute um: „Woher weißt du, wie der heißt?“ „Kennst du den?“ Jaja, wenn man das Meerschwein aufmerksam gelesen hat, dann muss man doch wissen, wie der heißt, oder? Nachher war allerdings nicht mehr viel mit Gucken, denn der schwarze Vorhang wurde heruntergelassen.Und dann, kurz vor halb zehn, ging es los. Die Scheinwerfer verdunkelten sich, zwei Gongs erklangen, „Schon wieder“ begann. Das Publikum drehte komplett durch, dagegen sind Juli noch nicht mal einen Vergleich wert, und beim 2. Lied, „Mehr“, fiel endlich der Vorhang. Ich jubelte mit den anderen mit, sah aber irgendwie gar nichts, Farin war sozusagen „Unsichtbar“. Doch dann kam seine große Gestalt zum Vorschein und es konnte gerockt werden!
Hier die Setlist:


Intro (Schon wieder)
Mehr
Augenblick
Am Strand
Wie ich den Marilyn-Manson-Ähnlichkeitswettbewerb verlor
Petze
Glücklich
Klasse
1000 Jahre schlechten Sex
Dermitder
Phänomenal egal
Sonne
Lieber Staat
Porzellan
Zehn
Alles dasselbe
Unsichtbar
OK
Unter Wasser
Wo ist das Problem?
Ich gehöre nicht dazu
Abschiedslied
Zu Anfang wurden wir gleich vom Farin beschimpft, na ja, ernst meinte er es wohl nicht. Wir haben’s überlebt . Farin verlangte etwas von uns (ich glaube, er wollte nen tosenden Applaus von uns oder eine Laola, bin mir nicht mehr sicher), aber nicht alle machten mit. Daraufhin meinte er: „Wenn ihr keine Lust habt, dann könnt ihr auch nach Hause gehen!“ Wir gaben Gas und wurden seinen Ansprüchen gerecht, woraufhin er meinte: „Man muss nur ein bisschen streng sein, dann geht das.“ *lol* Unser kleiner (bzw. großer) Hobbydiktator in Action. Bei einer anderen Laola verteilte er Schulnoten. Die ersten Reihen bekamen eine 1+ (danke! *g*) und nach hinten hin wurde es immer schlechter, bis hin zur stark gefährdeten Versetzung. Nach einer weiteren Laola war er zufrieden. Der Mann hat aber auch Sonderwünsche! *lach*

Witzig wurde es ebenfalls in „Dermitder“, wo Farin und Robert sich ein Duell lieferten, wer denn wohl sein Instrument besser beherrsche. Farin gab sich höflicherweise geschlagen, denn immerhin war es Roberts Solopart.

Bei „Lieber Staat“ riss dem Blonden eine Saite seiner Gitarre, aber er unterbrach das Stück nicht, sondern spielte einfach weiter und es war auch nicht wirklich schlechter, man konnte es sich gut anhören. Ginny und ich standen in der Zwischenzeit in der 4./5. Reihe, denn dort gab es den großen Vorteil, dass wir atmen konnten.

Alles in allem wurde das Konzert dann noch so richtig toll, es war laut (uns flogen fast die Ohren weg), das Publikum ging mit und das Racing Team hatte auch Spaß. Farin flirtete wie immer mit Sängerin Simone und machte eine Ansage komplett auf Englisch, bei der er einen anderen Sänger nachmachte (den er übrigens sehr mochte, denn „er ist einer der wenigen Sänger, die älter sind als ich!" Er machte ihn nach, u.a. in dessen Art Plektren zu werfen, voll geil. Enttäuschungen gab es jedoch auch, denn „Dusche“ und „10#2“ wurden von der Festivalsetlist gestrichen. Bei „Dusche“ konnten wir es noch verstehen, dieser Song wurde bei einem anderen Gig wohl auch schon nicht gespielt, aber als FURT sich nach dem „Abschiedslied“ in eine Reihe stellte, um sich zu verabschieden, dachte ich echt an einen Scherz, denn „10#2“ ist doch Kult! Das gehört einfach dazu! Und bei 10#1 wurden wir so von den anderen Fans angestarrt, weil wir die einzigen waren, die mitsingen konnten, zu geil. Als sie die Bühne verließen, dachte ich immer noch an einen Scherz, doch als schließlich abgebaut wurde, wurde klar, dass der Auftritt zu Ende war.

Richtig enttäuscht deswegen holte ich mir mit Ginny was zu trinken, wobei wir uns „Mia“ anguckten, die auf einer anderen Bühne spielten.

Dann kümmerten wir uns um unser nächstes Ziel: Autogramme! Die Chance war relativ gering, denn Autogramme auf Festivals sind ja sehr unwahrscheinlich, aber wir versuchten unser Glück und gingen wieder da hin, wo der Tourbus vor ein paar Stunden eingefahren war. Ich kletterte den Zaun hoch und sah niemanden, aber zwei andere Fans, die mit uns auf Farin hofften, meinten, Vanessa wäre da (sie sang an diesem Abend anstelle von Celina). Ich kletterte runter und sah durch das Guckloch. Tatsächlich, da stand ein türkises Auto vor dem Sichtschutz, in dem Vanessa saß! Sie schaute sich um und entdeckte mein Gesicht, woraufhin sie nicht sehr glücklich guckte. Hieß das doch, dass da noch mehrere Fans auf sie warteten und sie wohl nicht so schnell wegkommen würde. Nach vielleicht 10 Minuten, in denen sie das Auto verlassen und mit einem Kerl geredet hatte, öffnete sich die Absperrung und sie fuhr heraus, wobei sie uns zuwinkte. Ginny hat das mit ihrem Handy geknipst, aber leider kann man nichts auf dem Bild erkennen. Ich kletterte wieder auf den Zaun, wurde aber von einem Kerl zurechtgewiesen (denk mal, dies war ein Security).
Ginny und ich gingen wieder, ihren Eltern entgegen, die uns gefahren haben. Als wir sie an einer Straße erreichten, meinte Ginnys Mutter plötzlich: „Da kommt ein Tourbus.“ Ginny blieb stehen, aber ich lief sofort rüber an die rechte Seite der Kreuzung (es war so eine T-Kreuzung), konnte jedoch nicht sehen , wer drin war, da die Scheiben getönt waren. Die anderen Leute, die dort langgingen, riefen die ganze Zeit „Farin!“, aber ob es ernst gemeint war, weiß ich nicht. Doch dann blieb der Bus auf einmal neben mir stehen und direkt vor meiner Nase öffnete sich die Tür! Total ungläubig starrte ich hinein, da vorne saß wieder diese Frau, die ich für die Tourmanagerin hielt und daneben stand – Rachel. Ich rief ihren Namen, „Rachel“ reagierte aber nicht, und die Tourmanagerin begann zu lachen. „Rachel“ ging nach hinten. Ich wunderte mich „Scheiße, war das Cindia?“ Konnte aber nicht sein, das war 100 %ig Rachel! In der Zwischenzeit war der Busfahrer, der ein Schild beiseite gestellt hatte, wieder eingestiegen und bevor die Tür wieder schloss, rief ich der Frau „Bist du nicht Patty?“ zu. Sie lachte und streckte mir ihre hochgehaltenen Daumen entgegen. Mit einem „Yeah“ machte ich das Teufelszeichen, der Bus fuhr; ich fotografierte ihn natürlich. Also, das war ein schönes Konzertende! Wenn direkt vor einem Farins Tourbus hält und dann auch noch öffnet *strahl*. Leider konnte ich durch die getönten Scheiben den Farin selbst nicht sehen, dafür die schicken Lichter der Lampen, die irgendwie lila durch die getönten Scheiben schienen.

So fuhren wir ganz glücklich (!) darüber, dass wir noch einmal (!) vom Farin und ihm seinem Racing Team gerockt wurden, nach Hause.
Ps.: Es hatte vor dem Konzert eine Autogrammstunde gegeben, aber da wir zu dem Zeitpunkt schon vor der Bühne warteten, hatten wir sie verpasst.


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